Man hört sie, bevor man sie sieht. Ein gleichmäßiges Schleifen auf dem Asphalt, Gummi auf Beton, irgendwo zwischen Bushaltestelle und Halleneingang. Dann biegen sie um die Ecke: weiße Socken bis über den Knöchel, Schlappen, die Sporttasche über der Schulter. Man sieht sie im Einkaufszentrum, auf dem Schulhof, vor jeder Sporthalle. Wer da unterwegs ist, muss man nicht fragen. Es sind Baller!
Auch Jalen Green lief als Jugendlicher so herum. Bei einem Camp von Michael Jordan in San Diego ist er auf dem Weg zum Training, mit hohen Socken, weiten Shorts und Adidas-Schlappen. Sein Style sei damals furchtbar gewesen, erzählt Green in Paul Georges „Podcast P“. Jordan stören allerdings nicht die Socken, sondern die drei Streifen. Er sagt dem Jungen, er solle die Adidas-Schlappen ausziehen und sich Jordan-Slides besorgen. Green antwortet, dann solle „MJ“ ihm eben welche geben. Und der bringt ihm tatsächlich ein Paar.
Eine Kleinigkeit, aber sie zeigt, wie genau in diesem Umfeld hingeschaut wird. Welche Socken, wie hoch, welche Marke an den Füßen: Das ist Thema, bevor überhaupt jemand einen Ball in der Hand hat. Bleibt die Frage, wie dieser Dresscode entstanden ist.
Einen Erfinder gibt es nicht. Es gibt weder den einen Spieler, der damit angefangen hat, noch die eine Saison, in der plötzlich alle umgestiegen sind. Wer nach dem Ursprung sucht, findet stattdessen Spuren: eine Badesandale aus Franken, eine Socke, die zum Statussymbol wurde, und die Minuten zwischen Haustür und Hallenboden.
Die Badesandale aus Herzogenaurach
Die erste Spur führt nicht in eine Basketballhalle, sondern in eine Dusche. Anfang der 60er Jahre fragten mehrere Athleten Adi Dassler, ob er ihnen einen praktischen Schuh für die Umkleide bauen könne, am besten einen, mit dem man auch hygienisch duschen kann. So beschreibt es die Adi & Käthe Dassler Memorial Stiftung. 1972 kommt die Adilette dann auf den Markt: breit, drei Streifen, mit Saugnäpfen an der Sohle, damit niemand auf nassen Fliesen der nicht so hygienischen Duschen ausrutscht.
Die Adilette wird zum Bestseller, besonders in den USA. Wann genau sie dort vor den Basketballhallen ankommt, lässt sich nicht datieren. Die Logik dahinter ist aber leicht nachzuvollziehen. Hallenschuhe sollen sauber bleiben und werden erst an der Bank geschnürt. Für den Weg dorthin braucht man etwas, in das man mit Socken hineinschlüpft und aus dem man genauso schnell wieder herauskommt. Heute bauen Nike und Jordan längst eigene Slides. Der Markenkampf, den Green im Camp erlebt hat, wird also auch auf dem Weg zur Halle geführt.

Hier trägt Jalen Green besondere Slides von Gucci. Ob er seine Jordan-Schlappen noch hat?
Als die Socke sichtbar wurde
Die Schlappe erklärt nur die untere Hälfte des Bildes. Die andere reicht bis über den Knöchel.
Lange waren Sportsocken Verbrauchsware, die man im Mehrfachpack kaufte, möglichst billig. Das ändert sich mit den Nike-Elite-Socken, die ab 2007 das Licht der Welt erblickten. Nike stattet das US-Männerteam bei einem Turnier in Las Vegas mit einem neuen Modell aus: eigene Passform für links und rechts, Polster an den richtigen Stellen.
Danach nimmt die Socke den Weg, den viele Basketballprodukte gehen: erst die besten Highschool- und College-Teams, dann alle anderen. 2008 und 2009 kommt sie in die Läden, das Paar ab 14 Dollar. Ab 2012 färben kleine Onlinehändler die Elites sogar um, passend zu Teamfarben oder Schuhen, und verlangen bis zu 40 Dollar pro Paar. Erkennbar sollen sie sein. Nike beschreibt das Logo auf der Rückseite ausdrücklich als Erkennungsmerkmal, Farben werden mit den Schuh- und Bekleidungsdesignern abgestimmt. Man erkennt die Socke sofort und nirgends sieht man sie so gut wie in offenen Schlappen.
Der amtierende Meister Jalen Brunson sagt heute im Rückblick, die Elites seien „zeitweise größer gewesen als die Schuhe selbst“. Zugehörigkeit hat dabei auch einen Preis: 14 Dollar oder sogar mehr für ein Paar Socken muss man erst einmal übrig haben.
Dresscode: Pragmatismus
Ankommen, Tasche auf die Bank, Schlappen abstreifen. Die Socken noch einmal hochziehen, dann die Schuhe schnüren. Nach dem Training alles in umgekehrter Reihenfolge, nur wesentlich langsamer. Der Look gehört genau in diese Minuten. Bequem ist er, praktisch auch. Vor allem aber zeigt er, wohin man gerade unterwegs ist und zu wem man gehört.
Und Jalen Green? Der bekam im Camp seine Jordan-Slides von der Legende persönlich. 2021 unterschrieb er einen Ausrüstervertrag bei Adidas. Die drei Streifen, die Jordan ihm ausreden wollte, haben ihn am Ende doch eingeholt (auch wenn er 2025 eine Verlängerung abgelehnt hat).
Autor: Kijanusch Holz | Stand der Daten: 25. September 2026 | Fotocredits: Getty Images

