Noch vor nicht allzu langer Zeit waren die Basketballschuhregale hauptsächlich mit zwei Schwergewichten gefüllt: Nike oder Adidas. Und die NBA-Profis? Die meisten wählten aus eben jenen Anbietern. Natürlich sind die beiden Herstellergiganten nach wie vor beliebte Marken für die flinken Moves auf dem Court, aber sie haben längst nicht mehr die Duopol-Vorherrschaft. Mittlerweile sieht man auf dem Parkett der Hallen Schuhe von verschiedensten Marken, von denen man vor zwanzig Jahren teilweise noch nie etwas gehört hat: Serious Player Only, Rigorer, Anta, 361 Degrees, Peak, um nur ein paar aufzuzählen, und auch Li-Ning gehört zu den eher unbekannten Ausrüstern. Heute führt das chinesische Unternehmen mit seiner Signature-Marke Way of Wade regelmäßig Bestenlisten von etablierten YouTube-Channels wie Foot Doctor Zach oder WearTesters an. Auch in der NBA bemerkt man diesen Trend. Nachdem Dwyane Wade, Jimmy Butler, Fred VanVleet, CJ McCollum und D'Angelo Russell sich für die Schuhe von Li-Ning entschieden hatten, hat nun auch Stephen Curry seine Partnerschaft verkündet. Hinter dieser Entwicklung steht ein Aufbau über viele Jahre. Um zu verstehen, warum Curry und viele weitere Basketballer nun die Li-Nings aufblitzen lassen, lohnt sich deshalb der Weg an den Anfang.
Wo alles begann
Li Ning, ein mittlerweile 63-jähriger ehemaliger Kunstturner, gewinnt bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles sechs Medaillen, drei davon aus Gold. 24 Jahre später entzündet er bei den Spielen in Peking das olympische Feuer. Zwischen diesen beiden großartigen Sportmomenten für den in Guangxi geborenen Athleten gründet er 1990 ein Unternehmen, das seinen Namen trägt. Die Verbindung zum Leistungssport ist damit von Anfang an stark mit der Geschichte der Marke verwoben.
Li-Ning baut seine Präsenz direkt über verschiedene Sportarten auf. Ein Beispiel ist Badminton: 2009 beginnt die Zusammenarbeit mit der chinesischen Nationalmannschaft, die noch im selben Jahr in der Ausrüstung den Sudirman Cup gewinnt. Running, Tischtennis und Basketball gehören ebenfalls zum Geschäft. Für 2025 meldet die Unternehmensgruppe einen Umsatz von rund 29,6 Milliarden Renminbi, was heute umgerechnet 3,9 Milliarden Euro wären. Wer Li-Ning erst über ein Paar Wade-Schuhe kennengelernt hat, begegnet dabei einem längst etablierten Sportartikelunternehmen.
Auch der erste Schritt auf das NBA-Parkett liegt bereits zwei Jahrzehnte zurück. Im Januar 2006 nimmt Li-Ning Damon Jones von den Cleveland Cavaliers unter Vertrag. Die internationale Basketballgeschichte der Marke beginnt damit lange vor ihrem heute bekanntesten Aushängeschild. Den Namen, um den eine eigene Performance-Identität entstehen kann, findet das Unternehmen einige Jahre später in Dwyane Wade.

Die Way of Wade 12 im schillernden Pink.
Wade als Türöffner
Im Oktober 2012 unterschreibt Wade bei Li-Ning. Aus der Zusammenarbeit entsteht Way of Wade; 2018 vereinbaren sogar beide Seiten einen lebenslangen Vertrag, der über die aktive Karriere ihres Namensgebers hinausreicht. Damit trägt die Linie immer eine Aura der Legende D-Wade, den viele NBA-Fans durch spektakuläre Plays lieben gelernt haben. Seine Untermarke baut genau darauf auf und verfolgt verschiedene Ansätze, um unterschiedlichen Spielern eine Auswahl zu geben. Ein bekannter Name wie Wade kann dabei den ersten Blick auf einen Schuh lenken. Ob jemand tatsächlich einkauft und den Treter dann auch schließlich auf den Hallenboden trägt, entscheidet letztendlich die Performance, welche sich besonders in den positiven Resonanzen widerspiegelt. Wie viel fängt die Dämpfung ab? Wie sicher sitzt der Fuß? Wie zuverlässig greift die Sohle beim Richtungswechsel? WearTesters zum Beispiel bewertet den Way of Wade 10 bei der Kombination aus Dämpfung, Passform und Grip positiv. Einzelne Modelle von Way of Wade schneiden bei spezialisierten Testern besonders gut ab und finden sich in deren Bestenlisten.
Wie sich die Marke weiterentwickelt, zeigt der Wade 808 5 Ultra. Im Test hebt WearTesters die weiche, federnde Super-BOOM-Dämpfung als Drop-in-System hervor. Das Fischgrätenprofil greife auf sauberen Hallenböden sehr gut und funktioniere auch unter staubigeren Bedingungen weiterhin überzeugend. Solche Urteile machen verständlich, warum die Schuhe in Performance-Diskussionen auftauchen.

Bildunterschrift
Stephen Curry und der nächste Schritt
Nach der Trennung von Under Armour im November 2025 nutzt Curry seine Zeit als Sneaker-Free-Agent, um Schuhe verschiedener Marken zu tragen. Auch die Li-Ning-Modelle von Wade und Butler gehören dazu. In der Mitteilung zur neuen Partnerschaft betont er später, Qualität, Komfort und Leistung der Schuhe hätten ihn überzeugt.
Curry: „Während meiner Sneaker-Free-Agency war ich von der Qualität, dem Komfort und der Performance der Li-Ning-Schuhe beeindruckt.“
Die Zusammenarbeit umfasst Curry selbst und seine Curry Brand. Geplant sind gemeinsame Marken- und Produktentwicklung: Den Anfang machen Basketball und Golf, danach soll Lifestyle folgen. Laut ESPN läuft der Vertrag über zehn Jahre und ist mehr als 400 Millionen Dollar schwer. Curry darf außerdem künftig eigene Athletinnen und Athleten unter seiner Marke unter Vertrag nehmen, dazu sind Curry-Brand-Stores in China und den USA geplant. Bemerkenswert: Berichten zufolge lag ihm mindestens ein lukrativeres Angebot vor. In seinem offenen Brief begründet Curry seine Entscheidung auch mit dem Gründer selbst. Es sei beeindruckend, wie Li Ning sein Unternehmen als Athlet aufgebaut habe, und genau diese Hoffnungen habe er auch für Curry Brand.
Mit Curry rücken allerdings auch bestehende Vorwürfe gegen Li-Ning stärker in den Blick. Das Bureau of Investigative Journalism berichtete im August 2025 über Verbindungen von Produktionsstätten und Zulieferern der Marke zu staatlichen Arbeitstransferprogrammen, die mit der Zwangsarbeit von Uiguren und anderen ethnischen Minderheiten aus Xinjiang in Verbindung gebracht werden. Li-Ning erklärte gegenüber dem Rechercheteam, jede Form von Zwangsarbeit in seiner Lieferkette strikt abzulehnen und zu verbieten. Das Unternehmen verwies auf regelmäßige Lieferantenkontrollen und eine Nulltoleranzpolitik.
Kurz nach Bekanntgabe der Curry-Partnerschaft kündigte der republikanische US-Abgeordnete Chris Smith laut ESPN an, das Heimatschutzministerium um eine Prüfung der Li-Ning-Importe zu bitten. Der Co-Vorsitzende der Congressional-Executive Commission on China kritisierte dabei auch die NBA und ihre Spieler für die Zusammenarbeit mit Unternehmen, denen Verbindungen zu Zwangsarbeit vorgeworfen werden. Für Li-Ning und Curry steht damit neben der sportlichen Glaubwürdigkeit auch die Verantwortung für die Herstellung ihrer Produkte im Raum.
Autor: Kijanusch Holz | Stand der Daten: 30. September 2026 | Fotocredits: Getty Images

