Die EuroLeague hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Mit 20 Mannschaften, 38 Spieltagen und insgesamt 380 Partien in der regulären Saison präsentiert sich Europas höchster Klubwettbewerb so umfangreich wie nie zuvor.
Doch ausgerechnet in einer Phase, in der die EuroLeague ihre eigene Expansion vorantreibt, wächst die Konkurrenz aus Nordamerika. Die NBA arbeitet gemeinsam mit dem Weltverband FIBA an einer eigenen europäischen Liga, die bereits zur Saison 2027/28 starten soll. Für die EuroLeague bedeutet das eine neue Ausgangslage. Während die Verantwortlichen an einer Erweiterung auf 24 Teams arbeiten, stellt sich gleichzeitig die Frage, welche Vereine künftig überhaupt noch Teil des Wettbewerbs sein werden. Die EuroLeague-Clubs haben ihr Interesse an einer Expansion zur Saison 2027/28 bereits offiziell bekräftigt.
Ein möglicher Zusammenschluss mit der NBA ist weiterhin nicht ausgeschlossen. Allerdings hat die EuroLeague deutlich gemacht, dass eine Zusammenarbeit nur unter Bedingungen infrage kommt, die auch ihren eigenen Interessen entsprechen.
NBA Europe: 16 Teams und zwölf feste Startplätze?

Die AS Monaco muss die EuroLeague verlassen und wird künftig im EuroCup antreten. Besiktas Istanbul übernimmt den Startplatz der Monegassen, während die EuroLeague für 2027/28 eine Aufstockung auf 24 Teams plant.
Die Pläne der NBA werden derweil immer konkreter. Im Herbst 2027 soll NBA Europe erstmals den Spielbetrieb aufnehmen. Als mögliches Modell wird eine Liga mit 16 Mannschaften diskutiert, von denen zwölf einen dauerhaften Startplatz erhalten könnten. Vier weitere Teams sollen sich über sportliche Qualifikationswege für den Wettbewerb empfehlen können.
Endgültig beschlossen sind die Teilnehmer und die genaue Ausgestaltung allerdings noch nicht.
NBA-Commissioner Adam Silver hält weiterhin an Gesprächen mit der EuroLeague fest. Mitte September bekräftigte er, dass die NBA eine Zusammenarbeit anstrebe, das Projekt jedoch auch unabhängig davon 2027 starten solle.
Damit wächst der Druck auf die bestehenden europäischen Wettbewerbe. Schließlich geht es nicht nur um einen weiteren internationalen Titel, sondern auch um wirtschaftliche Perspektiven, Vermarktungsrechte und die langfristige Bindung der größten Basketball-Standorte Europas.
ALBA BERLIN und Bayern München im Mittelpunkt
Besonders spannend ist die Entwicklung aus deutscher Perspektive. Mit ALBA BERLIN und dem FC Bayern München stehen gleich zwei der bekanntesten deutschen Basketball-Marken im Fokus des NBA-Projekts. ALBA hat sein Interesse an NBA Europe bereits öffentlich bekräftigt. Die Berliner wollen dabei nicht einfach nur als Teilnehmer auftreten, sondern eine aktive Rolle bei der Gestaltung des neuen Wettbewerbs übernehmen.
„Wir wollen zentraler Teil sein und mitgestalten“, erklärte ALBA-Aufsichtsrat Axel Schweitzer im September.
Auch Geschäftsführer Marco Baldi sieht in dem Vorhaben eine große Chance für den europäischen Basketball. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Planungen komplex seien und weiterhin viele Fragen offenblieben.
Der FC Bayern München gehört wiederum bereits zum festen Bestandteil der EuroLeague und wird ebenfalls als möglicher Kandidat für NBA Europe gehandelt.Neben den deutschen Standorten spielen auch internationale Metropolen eine zentrale Rolle. London, Paris, Madrid, Mailand und Istanbul gehören zu den Städten, auf die sich die NBA bei ihren Planungen konzentriert. Auch Manchester ist als möglicher Standort im Gespräch.

Der FC Bayern München gehört zu den etablierten EuroLeague-Clubs. Doch wie sieht die Zukunft des deutschen Basketball-Aushängeschilds mit dem geplanten Start von NBA Europe aus?
Stefan Holz: „Mehr offene Fragen als Antworten“
Während NBA und EuroLeague ihre jeweiligen Zukunftspläne vorantreiben, beobachten auch die nationalen Ligen die Entwicklung aufmerksam. BBL-Geschäftsführer Stefan Holz sieht insbesondere in der unübersichtlichen Struktur des europäischen Basketballs ein grundlegendes Problem. Mit EuroLeague, EuroCup, Basketball Champions League und FIBA Europe Cup existieren bereits vier internationale Klubwettbewerbe. NBA Europe könnte diese Landschaft zusätzlich verändern.
„Es gibt noch mehr offene Fragen als Antworten“, erklärte Holz Mitte September.
Der BBL-Geschäftsführer hatte ursprünglich gehofft, dass die NBA mit ihrem Einstieg für mehr Klarheit und eine Neuordnung des europäischen Basketballs sorgen könnte. Bislang sei eine solche Entwicklung allerdings noch nicht erkennbar.
Holz hält deshalb eine Verständigung zwischen NBA und EuroLeague für notwendig.
Steht der europäische Basketball vor einem historischen Umbruch?
Noch ist völlig offen, wie die Basketball-Landschaft ab Herbst 2027 tatsächlich aussehen wird. Entsteht mit NBA Europe ein direkter Konkurrent zur EuroLeague? Finden beide Wettbewerbe langfristig eine gemeinsame Lösung? Oder entwickelt sich ein neues System, in dem sich die größten europäischen Basketball-Clubs zwischen unterschiedlichen Wettbewerben entscheiden müssen?
Fest steht: Die EuroLeague geht nicht geschwächt in die Saison 2026/27. Im Gegenteil. Sie setzt ihren Wachstumskurs fort und arbeitet bereits an ihrer nächsten Expansion.
Doch mit dem geplanten Einstieg der NBA steht der europäische Klub-Basketball vor einer seiner bedeutendsten strukturellen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte.Anfang Oktober sollen weitere Gespräche der EuroLeague-Clubs stattfinden. Ob diese bereits mehr Klarheit über das Verhältnis zur NBA bringen, bleibt abzuwarten.
Autor: Jakob Wurzbacher | Stand der Daten: 24. September 2026 | Fotocredit: IMAGO/Federico Pestellini, IMAGO/Oryk HAIST, IMAGO/One Inch Productions

