WAS KANN DIE EASYCREDIT BBL AUS DIESEM SOMMER LERNEN?

Weltmeister, NBA-Stars, volle Hallen und eine junge Zielgruppe: Der deutsche Basketball besitzt ein Momentum wie selten zuvor. Gleichzeitig zeigen Hart of the Court, LGCY Series und andere Events, wie sich die Kultur rund um den Sport verändert. HOB-Redakteur Sami Younis kommentiert, was die easyCredit BBL aus diesem Sommer lernen kann – und warum sie dafür nicht ihre Identität verändern, sondern ihre eigene Kultur konsequenter nutzen muss.

Sami Younis

12. September 2026

Sportlich könnte die Ausgangslage für den deutschen Basketball kaum besser sein. Der WM-Titel der Männer 2023, die Olympia-Auftritte der deutschen Nationalteams, zahlreiche deutsche NBA-Spieler und die internationale Präsenz deutscher Clubs haben dem Sport eine Aufmerksamkeit verschafft, die vor einigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre.

Gleichzeitig verändert sich, wer Basketball verfolgt und wie diese Menschen Sport konsumieren.

Nach Daten von GIPEDO sind 39 Prozent der deutschen Basketballfans zwischen 18 und 39 Jahre alt. Rascasse zeichnet für die digitale BBL-Zielgruppe ein Durchschnittsalter von lediglich 32 Jahren und eine überdurchschnittliche Offenheit für neue Technologien und Trends. Die Erhebungen arbeiten mit unterschiedlichen Methoden, zeigen in ihrer Tendenz aber dasselbe: Basketball erreicht eine junge, digitale und trendoffene Zielgruppe.

Und genau daraus entsteht eine entscheidende Frage: Passt das Erlebnis rund um die BBL eigentlich noch zu den Menschen, die sich zunehmend für Basketball interessieren?

Zwischen Basketballkultur und Klatschpappen

 

Die BBL verfügt über treue Fangemeinden und gewachsene Fankulturen, die vielerorts für besondere Atmosphäre sorgen. Doch das Potenzial, noch mehr Menschen für das Erlebnis Basketball zu begeistern, ist längst nicht ausgeschöpft.

Wer regelmäßig durch deutsche Basketballhallen reist, erlebt vielerorts noch klassisches Sport-Entertainment: ältere Party- und Schlagermusik, Klatschpappen und standardisierte Unterhaltung während der Time-outs gehören an einigen Standorten weiterhin zum Bild.

Das bedeutet nicht, dass plötzlich alles verschwinden muss, was über Jahre gewachsen ist.

Im Gegenteil.

Gerade der deutsche Basketball besitzt Fankulturen, die man nicht künstlich herstellen kann. Freak City in Bamberg ist dafür eines der bekanntesten Beispiele. Dort entsteht Atmosphäre nicht, weil ein Marketingplan vorgibt, wann die Fans laut sein sollen. Sie ist über Jahrzehnte gewachsen.

Authentizität ist eine der größten Stärken der BBL.

Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob sich ein Basketball-Spieltag 2026 noch genauso anfühlen sollte wie vor zehn oder 15 Jahren.

Denn Basketball besitzt eine eigene Kultur. Und vielleicht orientiert sich das Erlebnis in manchen Hallen noch zu stark an klassischen Strukturen des deutschen Sports, statt diese eigene Identität konsequent auszuspielen.

Der Sommer hat gezeigt, was Basketball noch sein kann

Hart of the Court, die LGCY Series und andere Events haben in diesem Sommer eine andere Interpretation von Basketball gezeigt. Dort trifft der Sport auf Hip-Hop, Fashion, Street Culture, Creator und Community. Musik ist nicht einfach Pausenfüller. Spieler sind nicht ausschließlich die Summe ihrer Punkte, Rebounds und Assists, sondern Persönlichkeiten.  Natürlich wäre es falsch, daraus eine perfekte Blaupause für die BBL zu machen.

Ein Creator- oder Sommerevent funktioniert unter völlig anderen Voraussetzungen als eine professionelle Liga mit 34 Spieltagen, sportlichem und wirtschaftlichem Druck und jahrzehntelang gewachsenen Fanstrukturen. Vor allem besitzt die BBL etwas, das sich nicht künstlich herstellen lässt: echten Wettbewerb. Derbys, Rivalitäten, Playoffs, Abstiegskampf und Meisterschaften haben tatsächliche Konsequenzen. Dafür braucht es keinen Influencer, der einem Spiel erst Bedeutung verleihen muss. Die richtige Konsequenz lautet deshalb nicht: kopieren, Sie lautet: lernen.

Dennis Schröder hat mit der LGCY Series gezeigt, wie Basketball auch abseits des klassischen Ligabetriebs erzählt werden kann – als Verbindung aus Sport, Entertainment, Community und Basketballkultur.

Basketball und Hip-Hop gehören zusammen

Kaum eine Sportart ist kulturell so eng mit Musik verbunden wie Basketball. Von amerikanischen Streetball-Courts über die AND1-Ära bis zur heutigen NBA haben sich Hip-Hop und Basketball gegenseitig geprägt. Warum ist davon in manchen deutschen Hallen noch so wenig zu spüren?

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, einfach den aktuellsten Rap-Song abzuspielen und zu glauben, ein Verein sei dadurch plötzlich jung und modern. Eine solche Inszenierung wäre genauso künstlich wie der nächste erzwungene TikTok-Trend. Viel interessanter wäre eine eigene kulturelle Identität.

Lokale DJs und Artists könnten eingebunden werden. Musik könnte zur Stadt und zum Club passen. Eine Halle könnte einen Sound entwickeln, den Fans irgendwann automatisch mit diesem Standort verbinden. Denn die BBL muss Basketball nicht als Jugendkultur verkleiden. Basketball ist Jugendkultur.

Krisi Krause zeigt, dass sich BBL-Profi und Social-Media-Persönlichkeit nicht ausschließen. Mit seiner Reichweite erreicht er auch Menschen weit über den klassischen Hallenbesucher hinaus.

Social Media ist längst Teil des Produkts

Ähnliches gilt für Social Media. Fast jeder professionelle Basketballclub ist inzwischen auf Instagram oder TikTok vertreten. Entscheidend ist längst nicht mehr, ob dort Content veröffentlicht wird, sondern ob die Menschen dahinter Basketball verstehen. Junge Fans erkennen schnell, wenn Vereine zwanghaft versuchen, einen Trend nachzustellen. Guter Basketball-Content funktioniert anders. Er versteht, warum ein Poster Dunk besonders ist. Warum ein Derby anders erzählt werden muss als irgendein anderes Saisonspiel. Oder warum eine scheinbar nebensächliche Reaktion auf der Bank innerhalb der Basketball-Community plötzlich eine Geschichte sein kann. Dafür braucht es Menschen, die den Sport nicht nur vermarkten können. Sie müssen Basketball leben, seine Sprache sprechen und seine Kultur verstehen.

Denn für einen Teil der nächsten Fangeneration ist Social Media nicht die Ergänzung zum Hallenbesuch. Es ist der erste Kontakt mit einem Verein.

 

Ein Spieltag muss nicht erst mit dem Tip-off beginnen

Eine weitere Lehre dieses Sommers: Menschen kommen nicht ausschließlich wegen 40 Minuten Basketball. Sie kommen wegen Freunden, Community, Musik, Spielern, Fashion und Content – und natürlich wegen des Spiels. Warum beginnt ein BBL-Spieltag dann vielerorts erst kurz vor dem Tip-off? 3x3 oder Freiplätze vor der Arena, lokale DJs, Pop-ups regionaler Brands, Community-Aktionen, bessere Food-Angebote oder mehr Berührungspunkte zwischen Spielern, Fans und Verein könnten aus einem Heimspiel mehr machen als einen zweistündigen Termin. Aus 40 Minuten Basketball kann ein ganzer Basketball-Tag werden. Und dieses Erlebnis muss nicht einmal an der Arena beginnen.

Ein BBL-Club sollte auch auf Freiplätzen, an Schulen und Universitäten, auf Festivals, in Jugendzentren, Sneaker-Stores oder der lokalen Kreativszene stattfinden. Ein 17-Jähriger sollte nicht bereits Fan sein müssen, um erstmals mit dem Basketballclub seiner Stadt in Berührung zu kommen. Der Club muss auch zu ihm kommen.

 

Einen entscheidenden Vorteil besitzt die BBL bereits: Ihre Geschichten entstehen ganz von selbst. Rivalitäten, Derbys, Auf- und Abstieg, Playoffs und Meisterschaftskämpfe schaffen eine Emotionalität,
die nicht künstlich inszeniert werden muss.

Die nächste große Chance ist weiblich

Gleichzeitig sollte die Diskussion über die Zukunft des deutschen Basketballs nicht ausschließlich über junge Männer geführt werden. Mit der Frauen-Basketball-WM in Deutschland und der wachsenden Aufmerksamkeit für den Frauenbasketball entsteht eine enorme Möglichkeit, neue Fans zu erreichen. Noch zeigen die vorliegenden Zielgruppenanalysen eine deutliche männliche Dominanz: GIPEDO beziffert den Männeranteil unter Basketballfans auf 70 Prozent, Rascasse kommt bei der digitalen BBL-Zielgruppe sogar auf 79 Prozent. Gerade darin steckt Potenzial.

Frauen und Mädchen sollten nicht erst dann angesprochen werden, wenn sie bereits Basketballfans sind. Sie müssen als Spielerinnen, Fans und selbstverständlicher Teil der Basketballkultur mitgedacht werden. Das könnte eine der wichtigsten Wachstumschancen der kommenden Jahre sein.

Die FIBA Frauen-Basketball-WM 2026 in Deutschland bietet eine besondere Chance, Frauen und Mädchen stärker für Basketball zu begeistern – und sie langfristig als selbstverständlichen Teil der Basketballkultur mitzunehmen.

Die BBL muss Basketball nicht neu erfinden

 

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieses Sommers: Basketball ist längst cool. Es gibt Streetball, Sneaker, Hip-Hop, Fashion, Creator, Frauenbasketball und eine Community, die weit über den professionellen Ligabetrieb hinausgeht. Gleichzeitig besitzt die BBL mit echtem Wettbewerb, Rivalitäten und gewachsenen Fankulturen etwas, das sich kein kurzfristiges Event einfach erschaffen kann.

Deshalb wäre es ein Fehler, jedem neuen Trend hinterherzulaufen oder die BBL künstlich zu verjüngen. Es geht nicht darum, aus jedem Spieltag die LGCY Series zu machen. Es geht auch nicht darum, irgendeinen Influencer einzuladen und anschließend zu behaupten, man habe die Generation Z erreicht. Es geht darum, zu verstehen, welche Kultur längst rund um den eigenen Sport existiert – und ihr innerhalb des professionellen Basketballs mehr Raum zu geben. Der Sommer hat nicht gezeigt, wie man die BBL ersetzen kann. Er hat gezeigt, welches Potenzial Basketball als Erlebnis besitzt. Die sportliche Qualität ist da. Die junge Zielgruppe ist da. Das Momentum ist da.

 Jetzt liegt es an Liga und Vereinen, daraus eine Basketballkultur zu entwickeln, die junge Menschen nicht nur auf ihren Smartphones erreicht, sondern sie in die Hallen bringt – und langfristig dort hält.

Autor: Sami Younis | Stand der Daten: 28. August 2026 | Fotocredit: XXXXXXXXX

Sami Younis

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