Vom Parkett an die Seitenlinie: Anton Gavels Rückkehr zu Bayern München

Legende, Meistertrainer, jetzt Bayern-Coach: Wie Anton Gavel sich nach Ulm und dem Bamberg-Wunder unsterblich macht.

Kijanusch Holz

24. August 2026

Der FC Bayern Basketball läutet den sportlichen Neuanfang ein – und setzt dabei auf ein vertrautes Gesicht. Anton Gavel übernimmt zur kommenden Saison das Traineramt beim einzigen deutschen EuroLeague-Vertreter. Der 41-jährige Deutsch-Slowake, der die Münchner 2018 noch als Kapitän zum Double führte, unterschreibt einen Dreijahresvertrag im BMW Park. Ein Blick auf die Vita eines akribischen Basketball-Junkies, der sich vom kompromisslosen On-Ball-Defender zum begehrtesten BBL-Headcoach gearbeitet hat.

Bei Bayern holte Anton Gavel im Double-Jahr 2018 seine fünfte Meisterschaft und seinen vierten Pokalsieg.

Stopper, Titelsammler und Lead Guard

 

Anton Gavels war ein unermüdlicher Arbeiter. 1984 im slowakischen Košice geboren, reiste er im Alter von 15 Jahren nach Deutschland und stieg bereits mit 17 Jahren bei der BG Karlsruhe in die Bundesliga auf. Nach seinem Durchbruch bei den Gießen 46ers – wo er 2006 zum BBL-Nachwuchsspieler des Jahres gewählt wurde und seinen heutigen Weggefährten Thorsten Leibenath als Co-Trainer erlebte – sammelte der 1,89 Meter große Shooting und Point Guard internationale Erfahrung in Spanien (Murcia) und Griechenland (Aris Thessaloniki).

Den Stempel einer BBL-Legende drückte Gavel dem deutschen Basketball jedoch ab 2009 im Trikot von Brose Bamberg auf. Als defensiver Anker und Playmaker feierte er unter Chris Fleming vier Meisterschaften in Serie (2010–2013) sowie drei Pokalsiege. Zweimal wurde er als Bester Verteidiger der Liga ausgezeichnet, 2013 folgte die Prämierung zum Finals-MVP.

2014 wechselte der Guard – der für die Slowakei (89 Länderspiele) und später für Deutschland (12 Länderspiele, u. a. EM 2015) auflief – zum FC Bayern München. In 168 BBL-Einsätzen erzielte er 923 Punkte für die Münchner und setzte nach insgesamt 458 BBL-Spielen, 70 EuroLeague-Einsätzen (9,4 PpS) und dem erneuten Double-Gewinn 2018 mit 33 Jahren den Schlusspunkt unter seine 18-jährige Profikarriere.

Von der OrangeAcademy zum Meisterschafts-Coup

 

Nach ersten Schritten als Individualcoach im FCBB-Nachwuchs und einem Intermezzo als TV-Experte schlug Gavel 2019 die Trainerlaufbahn bei BBU ’01 in Ulm ein. Als Head Coach der OrangeAcademy (ProB) und des U19-NBBL-Teams bewies er sein Händchen bei der Entwicklung von Toptalenten.

Im Sommer 2022 übernahm er das BBL-Profiteam von ratiopharm ulm und schaffte in der Folgesaison Historisches: Als Hauptrunden-Siebter führte er die Schwaben im Frühjahr 2023 zur ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Auf dem Weg zum Titel schaltete sein Team in den Playoffs nacheinander die Top-Drei-Schwergewichte Berlin, München und Bonn aus.

 

Die Bamberg-Saga

2024 zog es Gavel an die Stätte seiner größten Spieler-Erfolge zurück. Das Engagement bei den Bamberg Baskets war eine Herzensangelegenheit – schließlich lernte er in der Domstadt einst seine Frau kennen. Das Projekt verlief jedoch mit Hindernissen: Bei schmalem Personalbudget landete Bamberg im ersten Jahr auf dem 16. Tabellenplatz.

Mit gezielter Rekrutierung und Spielern, die Drucksituationen aus kleineren europäischen Ligen kannten, schaffte Gavel in der Saison 2025/26 den Umschwung. Im TOP FOUR des BBL-Pokals im Münchner SAP Garden eliminierte Bamberg im Halbfinale den FC Bayern (103:97 n. V.) und schlug im Finale ALBA Berlin mit 74:72. Der Pokalsieg brachte Gavel die Auszeichnung zum BBL-Trainer des Jahres ein und veranlasste Bambergs Geschäftsführer Philipp Höhne zu der Äußerung: 

„Er war schon vorher eine Legende, aber heute hat er sich unsterblich gemacht.“

Der anschließende Wechsel nach München verlief allerdings nicht ohne Brisanz. Gavel kündigte sein bis 2027 laufendes Arbeitspapier in Bamberg unter Verweis auf einen Formfehler. Es folgte ein juristisches Tauziehen, bei dem Höhne der Gegenseite vorwarf, dass „offensichtlich mit irgendwelchen Tricks versucht [wird,] zu arbeiten“. Letztlich einigten sich die Klubs einvernehmlich und vereinbarten Stillschweigen über die Wechselmodalitäten.

 

Das neue Kapitel in München

 

Bei den Bayern trifft Gavel auf ein vertrautes Umfeld sowie auf Sportchef Thorsten Leibenath, mit dem er bereits in Gießen und Ulm erfolgreich zusammenarbeitete. Vereinspräsident Herbert Hainer bezeichnete den Familienvater als „absoluten Wunschkandidaten“ und als „frisches Gesicht einer neuen Trainergeneration“.

Geschäftsführer Adrian Sarmiento betont Gavels „enorme Energie und klare, moderne Idee vom Basketball“. Ab Anfang Juli übernimmt der frühere Kapitän das Zepter an der Seitenlinie des BMW Parks, um dem Team seine ausgeprägte Work Ethic einzuhauchen.  

 

Autor: Kijanusch Holz | Stand der Daten: 1.8.2026 | Fotocredits: GettyImages

Kijanusch Holz

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