„Who can guard you?“ – diese Frage hört die 1,91 Meter große Center-Spielerin von Iowa State häufig. Die Antwort kommt selbstbewusst: In der Big 12 habe sie bislang niemanden getroffen, der sie stoppen könne. Im nächsten Satz relativiert sie: Sicher gebe es aber Spielerinnen, denen das gelinge. Eine Mischung aus Selbstvertrauen und Bodenhaftung, die gut zur rasanten Entwicklung passt. Spätestens seit dieser Saison ist der Name Audi Crooks in aller Munde – und das zu Recht. Ihre Leistungen sind nicht mehr nur rekordverdächtig, sie pulverisiert Bestmarken im Wochentakt. Mit einer Feldwurfquote von über 70 Prozent führt sie die NCAA in der Effizienz an und gehört ligaweit zu den produktivsten Scorerinnen aus dem Zweipunktebereich. Besonders ihre Punkte-pro-Minuten-Quote wirkt surreal: Im Schnitt erzielt sie mehr Punkte (28,3 Punkte), als sie Minuten auf dem Feld steht (28,1 Minuten). Vieles deutet darauf hin, dass nach Caitlin Clark der nächste nationale Superstar des Frauenbasketballs aus Iowa kommt – und das, obwohl Crooks’ sportlicher Fokus lange gar nicht primär auf Basketball lag.
Ein wahres Multitalent
Während ihrer Zeit an der Bishop Garrigan High School tobt sich die Tochter von Papa Jimmy Crooks und Mama Michelle Cook in verschiedensten Feldern aus. Mal hilft sie im Volleyballteam aus, mal zaubert sie auf dem Basketball-Court, doch ihr sportlicher Fokus gilt zunächst der Leichtathletik. Gleich dreimal in Folge (2021–2023) gewinnt sie den Titel bei den Iowa State Championships im Kugelstoßen. Viele prognostizieren ihr da schon eine große Leichtathletik-Karriere, doch das Talent und die Freude am orangen Leder setzen sich durch. In ihren vier Jahren an der High School führt sie ihre Mannschaft zu einem 101-8-Record und erzielt über 2.700 Punkte bei einer Feldwurfquote von 72,4 Prozent (!). Zweimal in Folge (2022, 2023) holt das Team mit Crooks den State-Titel. Und 2023, in ihrem Abschlussjahr, wird sie zur besten High-School-Spielerin in ganz Iowa gekürt. Abseits vom Sport findet das Multitalent Spaß in der Musik, sie singt im Chor, spielt Trompete, Bass, Gitarre, Schlagzeug und Klavier – insbesondere nach dem frühzeitigen Tod ihres Vaters wird Musik zu ihrem emotionalen Anker.
Steckbrief
Name: Audi Rae Crooks
Trikotnummer: #55
geboren am: 13. Dezember 2004 in Algona, Iowa (USA)
Position: Center
Größe: 1,91 m
College-Team: Iowa State Cyclones
Class: Junior
High School: Bishop Garrigan High School
Karriere-Stats: 61,4 % FG-Quote – 1,4 AS – 7,5 REB – 22,7 PPS
Erfolge/ Auszeichnungen: 2x All-Big 12 First Team (2024, 2025), Big 12 All-Freshman (2024), USBWA All-America 3rd Team (2025), Goldmedaille AmeriCup (2025)
Voll eingeschlagen
Als „Four-Star-Recruit“ findet die Ausnahmespielerin problemlos einen College-Platz und entscheidet sich für die Iowa State University. Trotz ihrer dominanten High-School-Zahlen zweifeln manche an ihrem Durchbruch auf College-Niveau. Auch bei Audi sind die Selbstzweifel zunächst groß. Um Fuß zu fassen legt, sie sich deshalb einen klaren Plan zurecht. „Ich habe mir vorgenommen, mir einen Stammplatz zu erkämpfen, viel Spielzeit zu bekommen, bei Feldwürfen effektiv zu sein und eine noch bessere Teamkollegin zu sein“, erinnert sie sich an ihre Anfangszeit am College zurück.
Im Nachhinein könnte man sagen: grandios tiefgestapelt. Bereits ab ihrem fünften Einsatz ist Crooks fester Bestandteil der Starting Five. An der Iowa State findet sie ein Umfeld, das ihre Stärken fördert – sie selbst spricht von einer „Familie“. Das Vertrauen zahlt sie mit Leistung zurück. Schon in ihrer ersten March Madness setzt die junge Cyclone-Center-Spielerin Ausrufezeichen: Gegen Maryland legt sie als Freshman 40 Punkte auf, bei nahezu perfekter Trefferquote von 90 Prozent (18/20 Versuche). Es ist eine erste Kostprobe von dem, was der College-Basketball-Welt bevorsteht. Als Sophomore steigert sie ihre Punkteausbeute von 19,2 auf 23,4 Zähler pro Partie, gleich siebenmal durchbricht sie die 30-Punkte-Marke.

Selbst gegen mehrere Gegnerinnen setzt sich die Center-Spielerin problemlos durch.
In der aktuellen Spielzeit eskaliert Crooks endgültig. Die 30 Punkte werden beinah „Daily Business“. Die Effizienz-Königin der Big 12 bewegt sich auf Elite-WNBA-Niveau. Fast im Alleingang macht sie den 12-0-Start der Iowa State Cyclones perfekt und holt den nächsten Iowa-State-Rekord: Am 13. November 2025 erzielt Crooks 43 Punkte (78,3 % FG-Quote) in gerade einmal 20 Minuten gegen die Valparaiso Beacons. Nur 17 Tage später überbietet sie ihre eigene Bestmarke mit 47 Punkten gegen die Indiana Hoosiers und geht in den sozialen Medien viral. Sechstellige Followerzahlen, eigene Merch-Kollektionen und lukrative NIL-Deals unterstreichen den Hype um die 21-Jährige.
Dominanz unterm Korb
Crooks’ Spiel ist eine bewusste Rückbesinnung auf klassische Big-Dominanz. Aufgrund ihrer Physis und Präsenz unterm Korb wird sie schon als Teenager mit NBA-Hall-of-Famer Shaquille O’Neal verglichen, was ihr scherzhaft den Spitznamen „Lady Shaq“ einbrachte. Die aufstrebende Big lebt vom Low Post, wo sie sich selbst gegen mehrere Verteidigerinnen behauptet. Dabei hilft ihr auch ein technisch sauberer Spin-Fadeaway, der längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist.
Aus der Short- und Midrange ist sie nahezu unaufhaltsam, während der Dreipunktwurf – ähnlich wie einst bei Shaq – nicht zu ihrem Repertoire gehört. Defensiv agiert sie als verlässliche Rim-Protectorin, am Perimeter wird sie bewusst nicht eingesetzt, wo schnelle Guards sie in Foulprobleme bringen können.
Doch auch eine Ausnahmespielerin wie Crooks besitzt noch Entwicklungspotenzial. Das Tief von Iowa State zum Jahresbeginn macht dies deutlich. Gleich vier Niederlagen hagelte es nach dem Jahreswechsel, und auch die „Lady Shaq“ konnte mit ihrem Scoring-Volumen nichts daran ändern. Auffällig ist jedoch, wie die 21-Jährige auf diese Phase reagiert. Als Leaderin übernimmt sie Verantwortung und legt eine Reife an den Tag, die man eher von Veteraninnen erwarten würde. Nach der ersten Saisonniederlage gegen Baylor analysiert sie ganz sachlich: „Du willst nicht schon im Januar dein bestes Basketball spielen. Du willst im März ein Monster sein.“ Niederlagen seien notwendig, um Schwächen sichtbar zu machen und daraus zu lernen, sagt sie.
Familientradition auf dem Trikot
Die Nummer 55 ist für Audi Crooks weit mehr als nur eine Zahl. Schon ihre Eltern trugen sie auf dem Spielfeld – besonders ihre Mutter, die mit der 55 auf dem Shirt zur effizientesten Scorerin ihrer High School wurde (57,5 %), bis Audi diesen Rekord brach. Zugleich erinnert die Doppel-Fünf an ihren Vater, der ebenfalls diese Nummer trug und leider im Alter von 55 Jahren verstarb. Für Crooks ist das Trikot damit sportliches Erbe und persönliches Andenken zugleich.
Zum Glück für Iowa: In der Big 12 entscheidet nicht die Tabellenposition, sondern das Gesamtprofil über den Einzug in die March Madness. Die Cyclones verfügen über genügend Qualität, um sich dafür ein Ticket zu sichern – nicht zuletzt weil Crooks als Punktegarantin jede Partie offen hält. Seit nunmehr 83 Spielen trifft sie als Center zweistellig – die längste Serie einer Cyclone und die längste Serie unter allen Aktiven in der Women’s NCAA. Der nächste Rekord rückt in Sichtweite. Noch 33 Spiele fehlen ihr auf die historische Bestmarke von Brittney Griner von 116 Partien in Folge mit zweistelligem Punktescore.
Draft-ready?
Der nächste logische Schritt scheint bereits am Horizont zu liegen. Crooks ist für den WNBA-Draft 2026 zugelassen, auch wenn derzeit wenig darauf hindeutet, dass sie diesen Weg überstürzt gehen will. Ihr Profil ist auf College-Niveau dominant, auf Profiebene jedoch mit offenen Fragen verbunden. Wie wird sich ihre physische Überlegenheit gegen erfahrene Bigs behaupten? Kann sie das Spieltempo mitgehen? Wird sie ihr Spiel um einen verlässlichen Wurf erweitern? Sicher ist: Ihr Talent allein reicht aus, um auf höchstem Niveau eine Rolle zu finden. Noch bleibt Zeit, Antworten zu formen. Und vielleicht auch herauszufinden, wer sie eines Tages wirklich verteidigen kann.
Dieser Beitrag erschien zuerst in BASKET 03/2026
Autor: Zawadi Mograbi | Stand der Daten: 23. Januar 2026 | Fotocredits: GettyImages

