31 Jahre arbeitete Nelson als NBA-Headcoach, gewann dreimal den Coach-of-the-Year-Award und 1.335 Spiele. Doch sein Vermächtnis lässt sich kaum in Zahlen messen. Nelson stellte Konventionen infrage und sah Möglichkeiten, wo andere Positionen und Grenzen sahen.
Bevor Nelson als Coach Geschichte schrieb, gewann er bereits als Spieler. Elf Jahre lief er für die Boston Celtics auf und wurde fünfmal NBA-Champion. Er war kein Superstar, sondern ein intelligenter Rollenspieler. Später zogen die Celtics seine Nummer 19 zurück.
Als Trainer begann Nelson früh, klassische Rollenbilder aufzubrechen. Warum sollte eine Position bestimmen, was ein Spieler tun darf? Er ließ Forwards den Ball bringen, kreieren und Entscheidungen treffen. Lange bevor „positionless Basketball“ zum Standard wurde, machte Nelson Fähigkeiten wichtiger als Positionsbezeichnungen.
In Golden State entstand daraus „Nellie Ball“. Mit Run TMC um Tim Hardaway, Mitch Richmond und Chris Mullin setzte er auf Tempo, Shooting und offensive Freiheit. Auch kleine Lineups nutzte er lange bevor „Small Ball“ zum festen Bestandteil der NBA wurde. Was damals experimentell wirkte, gehört heute zum Standard.
Der perfekte Coach für Dirk Nowitzki

Headcoach Don Nelson im Gespräch mit Dirk Nowitzki (beide Dallas Mavericks).
Besonders prägend wurde Nelson für Dirk Nowitzki. Er gehörte zu den Verantwortlichen, die nach Würzburg reisten, um den jungen Deutschen von Dallas zu überzeugen. Schon früh erkannte Nelson dessen außergewöhnliches Potenzial. „Dirk selber weiß noch gar nicht, dass er hier mal eine Hauptrolle spielen wird – aber das wird er schon noch merken.“ Nelson versuchte nie, aus dem 2,13 Meter großen Nowitzki einen klassischen Center zu machen. Er ließ ihn werfen, dribbeln und das Spielfeld breit machen. Nowitzki bezeichnete Nelson später als „perfekt für mich“. Nach Nelsons Tod erinnerte er daran, wie entscheidend diese Freiheit für seine Karriere gewesen war:
„Du hast an mich geglaubt. Du hast Dinge in meinem Spiel gesehen, bevor mir überhaupt bewusst war, dass ich dazu fähig bin.“
Vielleicht beschreibt das Nelson besser als jede taktische Analyse: Er sah nicht nur, was ein Spieler war – sondern was er werden konnte.
2007 wurde Nowitzki plötzlich zum Gegner. Ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Schützling schrieb Nelson 2007 eines seiner berühmtesten Kapitel. Seine „We Believe“ Warriors trafen in der ersten Playoff-Runde auf die Dallas Mavericks, die zuvor 67 Spiele gewonnen hatten. Nowitzki wurde MVP, Dallas galt als klarer Favorit. Doch Nelson kannte seinen früheren Klub und dessen Superstar bestens. Golden State gewann sensationell mit 4:2 und wurde zum ersten achten Seed, der im Best-of-Seven-Format einen Nummer-eins-Seed aus den Playoffs warf.
Ein Vermächtnis weit über 1.335 Siege hinaus
Eine NBA-Meisterschaft als Headcoach gewann Nelson nie. Trotzdem zählt er zu den einflussreichsten Trainern der Basketballgeschichte.
Heute bringen Forwards den Ball. Center werfen Dreier. Kleine Lineups ziehen klassische Big Men aus der Zone. Teams spielen mit Pace, Spacing und mehreren Playmakern gleichzeitig. Für viele dieser Ideen wurde Nelson einst belächelt. Später übernahm sie die gesamte Liga. 2025 erhielt er den Chuck Daly Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk. Zu diesem Zeitpunkt war vieles von dem, was Nelson einst revolutionär machte, längst selbstverständlich geworden.
Fünf NBA-Titel als Spieler. Drei Coach-of-the-Year-Awards. 1.335 Siege als Headcoach. Hall of Famer.
Doch sein größtes Vermächtnis ist ein anderes: Don „Nellie“ Nelson zeigte der NBA, wie Basketball in Zukunft aussehen könnte.
Autor: Sami Younis | Stand der Daten: 10. August 2026 | Fotocredit: IMAGO/ UPI Photo

