Die EuroLeague-Offseason nähert sich dem Ende zu, und während auf den Trainingsplätzen Europas langsam die Vorbereitung anläuft, zeichnet sich auf dem Transfermarkt ein klares Bild ab. Die diesjährige Wechselperiode war geprägt von Neuausrichtungen, spektakulären Trainer-Rochaden und namhaften Wechseln zwischen den Top-Klubs des (erweiterten) Kontinents. Während einige Organisationen ihre Kader punktuell verstärkt und so auf ein neues Level gehoben haben, um im Kampf um das Final Four ein gewichtiges Wort mitzureden, blicken andere Vereine auf einen Sommer voller Substanzverluste, verpasster Wunschlösungen und Fragezeichen zurück.
Gewinner
An der Spitze des europäischen Transfermarkts haben sich mehrere Klubs mit gezielten Deals in Position gebracht. Panathinaikos Athen untermauert seine Titel-Ambitionen nach einer enttäuschenden Vorsaison vor allem durch einen spektakulären Coup an der Seitenlinie: Die Rückkehr von Rekordtrainer Željko Obradović nach 14 Jahren ist das neue emotionale und taktische Fundament der kommenden Spielzeit. Auf dem Parkett stehen die Verpflichtungen von Isaac Bonga, der als begehrter 3-and-D-Flügel geholt wurde, sowie Guerschon Yabusele für mehr Physis im Spiel der Griechen. Außerdem schnappten sie mit Sylvain Francisco der Konkurrenz einen der begehrtesten Playmaker Europas weg.

Nach acht Saisons bei Anadolu Efes zieht Shane Larkin nach Istanbul um.
Fenerbahçe Istanbul setzt nach dem verpassten Titel voll auf nachgewiesene EuroLeague-Klasse. Der Umbruch fiel drastisch aus, doch die Neuzugänge versprechen viel: Mit Shane Larkin holte Fener einen der dominantesten Guards der Liga-Historie. Zusammen mit Trent Forrest, Will Clyburn und Shavon Shields verfügt Headcoach Šarūnas Jasikevičius über eine der vielseitigsten und physisch stärksten Flügel- und Guard-Rotationen Europas.
Auch Anadolu Efes hat Nägel mit Köpfen gemacht. Nach dem Abschied von Monaco sicherte sich Efes die Dienste von All-Time-Scorer Mike James. Zusammen mit namhaften Ergänzungen im Frontcourt ist der Klub bereit für den Wiederangriff. Komplettiert wird das Gewinner-Feld durch EuroLeague-Neuling Beşiktaş Istanbul, der sich nach der Aufnahme in die Königsklasse mit Coach Dušan Alimpijević, NBA-Talent Jaylen Nowell und Scottie Wilbekin eine konkurrenzfähige Truppe zusammengebaut haben.
Verlierer
Demgegenüber stehen Klubs, deren Offseason von verpassten Gelegenheiten, bitteren Abgängen oder drastischen Sparkursen geprägt war. Der Trend zeigt eindeutig: Die spanische Phalanx hat ihre Vormachtstellung auf dem Transfermarkt vorerst eingebüßt.
Der auffälligste Rückschlag trifft den FC Barcelona. Nach dem Verpassen der Playoffs verlor Barça nahezu die komplette Starting Five um Tomáš Satoranský, Will Clyburn und Jan Veselý. Finanziell gegen die Angebote aus Griechenland oder der Türkei unterlegen, gingen die Katalanen bei absoluten Wunschspielern leer aus. Auch das Tauziehen um Wunsch-Center Moses Wright verlor man auf den letzten Metern an Mailand. Barça muss kleinere Brötchen backen und geht mit einem stark verjüngten Kader voller EuroLeague-Rookies in ein Übergangsjahr.

Trey Lyles verlässt die Königlichen und Barcelona verliert das Tauziehen um Wunschspieler Moses Wright. Hier sehen wir das direkte Duell zweier Offseason-Verluste der Topteams Spaniens.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den übrigen Spaniern: Real Madrid verlor mit Mario Hezonja (NBA) und Trey Lyles extrem viel Qualität. Obwohl mit Timothé Luwawu-Cabarrot ein Top-Transfer gelang und Pedro Martinez als neuer Headcoach kam, hinkt die Transferausbeute den eigenen Ansprüchen hinterher. Die Überraschungsmannschaft von Valencia Basket wurde nach Erreichen des Final Fours regelrecht zerpflückt: Viele Abgänge – darunter der komplette Backcourt um Jean Montero – wiegen schwer. Trotz des namhaften Zugangs von TJ Shorts steht die Mannschaft vor einem vollständigen Neuaufbau.
Einen regelrechten Aderlass erlebte Partizan Belgrad. Nach einer enttäuschenden Saison verließ fast der gesamte Kader die Serben. Zurück blieb ein frustrierter Star-Guard Carlik Jones als „last man standing“, der seinen Unmut über die drückende Inaktivität auf dem Transfermarkt öffentlich machte. Die späten Verpflichtungen von Kevarrius Hayes, Lamar Stevens oder Luca Vildoza bringen zwar Substanz, reichen aber nicht an die Qualität der hochkarätigen Abgänge heran.
Komplettiert werden die Verlierer durch Virtus Bologna. Aufgrund einer deutlichen Etatkürzung verlor der Klub seine Leistungsträger und musste den Kader mit EuroLeague-Debütanten auffüllen – auf den neuen Trainer Álex Mumbrú wartet eine Mammutaufgabe.
Autor: Kijanusch Holz | Stand der Daten: 1.8.2026 | Fotocredits: GettyImages

