Der zweigeteilte Superstar Dennis Schröder

Rollenspieler in der NBA, Legende im Adlertrikot: Warum Dennis Schröder auf zwei völlig verschiedenen Bühnen zwei völlig verschiedene Spieler ist.

Kijanusch Holz

24. August 2026

Es ist ein faszinierendes Phänomen: Läuft ein Spiel in der NBA, sieht man in Dennis Schröder einen grundsoliden, extrem verlässlichen, aber letztlich austauschbaren Akteur. Einen Guard, der sich über seine 13-jährige Karriere hinweg den Status eines geschätzten Bankspielers erarbeitet hat, aber auf der ständigen Durchreise ist. Elf verschiedene Franchises in über 900 Spielen – von Atlanta über OKC und Los Angeles bis hin zu Stationen in Toronto oder Cleveland – und es wird ihn vor der kommenden Saison wahrscheinlich wieder woanders hinziehen. Insgesamt konnte er einen Karriereschnitt von 13,7 Punkten und 4,9 Assists, eine Dreierquote von 34,1 Prozent vorweisen. Gut, aber nicht spektakulär – vor allem, weil Deutschland mehr von ihm gesehen hat. Immer wieder denke ich mir, wenn ich ein Spiel von ihm in der NBA gucke, „Trainer, gib ihm doch einfach mehr Verantwortung und du bekommst einen Star“, aber nein, er bleibt Statist. 

Sobald dieser Mann das Trikot der deutschen Nationalmannschaft überstreift, wird er dann zum gewohnten Helden. Im DBB-Team ist Dennis Schröder alles andere als ein austauschbares Ergänzungsstück im Getriebe. Er ist der Motor, das Herzstück und die unangefochtene Kapitäns-Figur eines Weltklasse-Teams.

Ob Dennis Schröder bei den Cleveland Cavaliers bleibt, ist aktuell noch unklar. Gerüchten zufolge sollen unter anderem die Charlotte Hornets an dem deutschen Spielmacher interessiert sein.

Der Taktgeber, den das FIBA-Parkett braucht

 

Warum klafft zwischen dem „NBA-Dennis“ und dem „FIBA-Dennis“ eine solche Lücke? Die Antwort liegt im Vertrauen.

In der NBA wird Schröder häufig in Rollen gepresst, die sein Skillset beschneiden. In der Liga, in der jede Mannschaft über mehrere dominante Ballhandler verfügt, verkommt er oft zum Mitläufer, der die Drecksarbeit machen muss. Auf der internationalen FIBA-Bühne hingegen sieht es anders aus. Schröder bekommt den Ball konstant in seinen Händen. Dadurch schafft er es in sein starkes Dribbling zu kommen und im Eins-gegen-Eins zu attackieren. Das deutsche Team unter Ex-Bundestrainer Gordon Herbert verstand das und gab ihm das, was ihm in den USA verwehrt blieb: kompromisslose Narrenfreiheit und die Lizenz zur Führung.  

Es liegt meiner Meinung nach komplett am Kopf des sehr schnellen Guards. Dass er das ganze Team auf seinen Schultern trägt, ist wie ein Boost für ihn – das Gefühl, dass eine Niederlage an ihm kleben bleibt und ein Sieg sein Verdienst ist, beflügelt ihn. Erst wenn die Scheinwerfer am hellsten brennen und der Druck unerträglich wird, schaltet er in diesen fast schon arroganten, aber unschätzbaren Tunnelblick. 

Er ist der Architekt der goldenen Generation des deutschen Basketballs. Er mag im Nationaltrikot nicht jeden Wurf treffen und gelegentlich dazu neigen, den Erfolg mit dem Kopf durch die Wand erzwingen zu wollen – doch ohne seine unbeugsame Siegermentalität hätte der DBB diesen historischen Aufstieg nie erlebt.

 

Autor: Kijanusch Holz | Stand der Daten: 1.8.2026 | Fotocredits: GettyImages
 

Kijanusch Holz

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