Während der NBA Finals habe ich ein Video über den aktuellen Hype rund um die New York Knicks gemacht. Eine Franchise, die über Jahrzehnte als Sinnbild für Chaos, falsche Entscheidungen und enttäuschte Hoffnungen stand, ist plötzlich wieder das Zentrum der Basketballwelt. Der Madison Square Garden ist die größte Bühne der NBA. Jeder Promi möchte plötzlich Teil davon sein. Knicks-Trikots sind wieder ein Fashion-Statement. „BING BONG“ läuft durch Social Media. New York Basketball ist zurück in der Popkultur. Und genau das ist eigentlich wunderschön.
Aber die Reaktionen auf dieses Video haben für mich eine noch größere Frage aufgeworfen: Verwechseln wir Aufmerksamkeit manchmal mit echter Unterstützung? Denn es ging nie darum, dass neue Fans weniger wert sind. Jeder von uns hatte irgendwann seinen ersten Moment. Keiner wurde mit League Pass und Basketballwissen geboren. Sport braucht diese magischen Augenblicke, die neue Menschen erreichen.
Aber wir leben gleichzeitig in einer Zeit, in der alles unfassbar schnell zur Ästhetik wird. Musik. Mode. Sport. Kultur. Alles kann innerhalb weniger Tage ein Trend werden. Die Knicks sind dafür gerade ein perfektes Beispiel. Eine Taylor Swift wird als Knicks-Fan gefeiert, obwohl sie seit 2014 nicht mehr bei einem Spiel im Madison Square Garden gesehen wurde. Natürlich muss niemand 41 Heimspiele besuchen, um Fan zu sein. Aber genau diese Entwicklung finde ich spannend: Geht es wirklich um die Sache – oder geht es darum, beim größten Moment dabei gewesen zu sein?
Und diese Frage betrifft nicht nur Basketball. Wir sehen immer häufiger, dass Unterstützung in sozialen Medien laut ist, aber nicht immer langfristig. 2020 während Black Lives Matter war plötzlich fast jeder ein Ally. Millionen Menschen teilten Beiträge, Marken änderten ihre Profilbilder, Solidarität war überall sichtbar. Und natürlich: Viele Menschen meinten das ehrlich.
Aber gleichzeitig hat man gesehen, dass Aufmerksamkeit alleine keine Strukturen verändert. Der Hype um dieses unfassbar wichtige Thema wurde mit der Zeit leiser, die Posts wurden weniger, die Profilbilder änderten sich zurück – aber für viele Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner, die weiterhin von strukturellem Rassismus und systemischer Benachteiligung betroffen sind, haben sich die grundlegenden Probleme nicht einfach aufgelöst. Viele Missstände, über die damals gesprochen wurde, existieren weiterhin.
Der Vergleich ist natürlich nicht die Schwere des Themas, sondern der Mechanismus dahinter: Ein Moment ist einfach. Dranbleiben ist schwer. Und genau dort entscheidet sich auch die Zukunft von Basketball. Auch in Deutschland.
Nach dem WM-Titel war Basketball plötzlich überall. Menschen feierten Dennis Schröder und die Nationalmannschaft. Das war großartig. Aber die wichtigste Frage kommt nicht während des Erfolgs. Sie kommt danach. Wer schaut die BBL, wenn der Hype kleiner wird? Wer unterstützt Vereine, wenn es nicht gerade ein Finale ist? Wer gibt jungen Spielern, Clubs und Strukturen die Zeit zu wachsen?
Denn echte Kultur entsteht nicht durch einen viralen Moment. Sie entsteht durch Menschen, die bleiben. Deswegen freue ich mich über jeden neuen Basketball-Fan. Wirklich. Aber mein Wunsch ist: Nehmt nicht nur den Hype mit. Nehmt den Sport mit.
Autor: Sami Younis | Stand der Daten: 1.August 2026 | Fotocredits: Imago

