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Kolumne | Eine neue Ära bei den Los Angeles Lakers

Bei den Los Angeles Lakers beginnt eine neue Zeitrechnung. Doch was bedeutet der große Umbruch für das Team, seine Stars und die Erwartungen in der Stadt der Engel? BASKET-Kolumnist Julius Schubert (@justakidfromgermany) war beim Media-Day vor Ort, hat die Stimmung hautnah miterlebt und einen ersten Eindruck erhalten, wie sich die Lakers für ihre Zukunft aufstellen.

HOB-Redaktion

20. Oktober 2026

Kameras klicken, Journalisten aus aller Welt drängen sich durch die Halle, Spieler eilen von einem Interview zum nächsten. Beim Media-Day der Los Angeles Lakers herrscht ordentlich Betrieb. Für mich ist es eine Premiere: Zum ersten Mal bin ich in der Practice-Facility in El Segundo dabei und bekomme hautnah mit, wie sich die Mannschaft vor der neuen Saison präsentiert. Trotzdem ist die Stimmung erstaunlich locker. Vor allem Luka Doncic hat offensichtlich gute Laune. Er scherzt und lacht viel, von Druck ist nicht viel zu sehen. Doch genau den hat er eigentlich, denn bei den Lakers beginnt eine neue Zeitrechnung.

LeBron James ist weg. Sein Abgang beendet eine bedeutende Ära in der Stadt der Engel. Natürlich wird sein Fehlen eine Rolle spielen. Trotzdem habe ich beim Media-Day nicht das Gefühl, dass die Lakers besonders viel über die Vergangenheit sprechen wollen. Vielmehr geht es darum, wer sie jetzt in die Zukunft führen soll. Und die Antwort darauf scheint ziemlich klar: Luka Doncic und Austin Reaves.

„Es sollte viele Leader geben. Jeder sollte in der Lage sein, die anderen zur Verantwortung zu ziehen.“ – Luka Doncic

Doncic ist dabei natürlich der klare Superstar. Seit seinem Trade nach Los Angeles ist er der Spieler, um den herum die Lakers ihre Zukunft aufbauen wollen. Jetzt soll er auch noch stärker die Rolle des Leaders übernehmen. Für den Slowenen ist das allerdings nichts Neues. „Ich sehe mich in dieser Rolle, für mich ist das nichts Neues“, sagt er. „Jeder im Team schaut zu mir auf. Ich muss aber genauso zu ihnen aufschauen. Es sollte viele Leader geben. Jeder sollte in der Lage sein, die anderen zur Verantwortung zu ziehen.“

Genau das ist ein interessanter Punkt. Denn Doncic sieht sich offenbar nicht als alleinigen Anführer dieser Mannschaft. Die Verantwortung soll auf mehrere Spieler verteilt werden. Und einer dieser Spieler ist Austin Reaves. „Ich bin wirklich sehr aufgeregt über das, was wir hier haben“, sagt er auf der Pressekonferenz. „Wenn man über Jahre mit Spielern wie Bron, Rui oder Jaxson zusammenspielt, ist es natürlich schwer, diese Jungs gehen zu sehen. Man baut auf und neben dem Parkett echte Beziehungen zu ihnen auf. Dieser Teil ist natürlich nicht schön, aber die Spieler, die wir geholt haben, sind charakterlich starke Jungs, die Basketball verstehen und auch abseits des Courts gute Menschen sind.“

 

In der abgelaufenen Saison legte Austin Reaves 23,3 Punkte pro Spiel im Schnitt auf. Seine Rolle soll nun noch größer werden.

Reaves ist mittlerweile der dienstälteste Spieler im Kader, was er laut eigenen Aussagen niemals habe kommen sehen. Er hat mit LeBron James und Anthony Davis gespielt, verschiedene Lakers-Teams erlebt und sich von einem weitgehend unbekannten Spieler zu einem Star entwickelt. Jetzt wird seine Rolle noch größer.

 

„Ich bin niemand, der sich hinstellt und Leute anschreit. Ich spreche lieber unter vier Augen mit ihnen und führe ein richtiges Gespräch.“ - Austin reaves

 Dass er diese Entwicklung selbst auch wahrnimmt, ist beim Media-Day zu spüren. Gleichzeitig ist Reaves nicht der Typ Leader, der seine Mitspieler vor der gesamten Mannschaft lautstark zusammenfaltet. „Menschen führen auf unterschiedliche Art und Weise“, erklärt er. „Ich bin niemand, der sich hinstellt und Leute anschreit. Ich spreche lieber unter vier Augen mit ihnen und führe ein richtiges Gespräch.“

Wenn er im Training etwas sieht, das ein Mitspieler besser machen könnte, wolle er ihn zur Seite nehmen und darüber sprechen. Es klingt simpel, beschreibt aber ziemlich gut, welche Rolle Reaves übernehmen möchte: weniger der große, laute Anführer, der vorne steht, sondern jemand, der innerhalb der Gruppe Verantwortung übernimmt.

Und offenbar hat auch Doncic genau diese Entwicklung bemerkt: „Ich glaube, er hat sich sehr weiterentwickelt“, sagt der Slowene über seinen mittlerweile engen Freun Austin Reaves. „Er spricht viel mehr mit den Leuten. Gerade die neuen Spieler kommen zu ihm und fragen ihn viel. Ich glaube, er hat einen großen Schritt nach vorne gemacht.“

Beim Media-Day der Los Angeles Lakers ist standesgemäß reichlich Trubel los. Dennoch nehmen sich die Spieler reichlich Zeit für die Fragen der Journalisten. 

Auch Jarred Vanderbilt sieht eine Entwicklung bei beiden. „Sie wissen, dass sie eine große Verantwortung haben“, sagt er. „Beide prägen auf ihre eigene Art und Weise die Kultur des Teams und zeigen den neuen Spielern, wie es bei den Lakers laufen soll.“

 

„Luka ist jemand, der mit gutem Beispiel vorangeht.“ – Jake LaRavia

Jake LaRavia scheint der gleichen Meinung zu sein. „Die beiden verstehen sich so gut, dass es für sie eigentlich ziemlich einfach ist, dieses Team gemeinsam anzuführen. Luka ist jemand, der mit gutem Beispiel vorangeht. Wir schauen auf ihn und darauf, wie er sich verhält und an die Dinge herangeht. Austin ist dagegen manchmal etwas lautstärker. Aber ich glaube, beide machen genau in dem Bereich, in dem ihre Stärken liegen, einen großartigen Job als Leader dieses Teams.“

Dabei hat ihnen auch ein kleines Trainingslager in Europa im Sommer sehr geholfen, das beim Media-Day immer wieder thematisiert wird. Fast alle Lakers-Spieler reisten im August auf Luka Doncics Einladung hin für vier Tage nach Slowenien und konnten sich dort abseits des normalen NBA-Alltags besser kennenlernen. Gerade für eine Mannschaft, die sich nach dem Abgang von LeBron personell verändert hat, kann das extrem wertvoll sein.

Der neue Big Man des Teams, Walker Kessler, spricht entsprechend viel über den Charakter der Gruppe. „Das hat man schon in Slowenien gemerkt, alle hier wollen einfach arbeiten, sie wollen konkurrieren und besser werden. Ich glaube, genau das macht – oder zumindest ein Teil davon – ein Championship-Team aus.“

Ob die Lakers am Ende tatsächlich ein Championship-Team sein werden, lässt sich natürlich noch lange nicht sagen. Ein Media-Day sollte nicht überbewertet werden, richtiger Basketball wird erst noch gespielt. Aber genau deshalb finde ich den Tag auch interessant. Man bekommt einen ersten Eindruck davon, wie sich eine Mannschaft selbst sieht.

Und bei den Lakers scheint ziemlich klar zu sein, wohin die Reise gehen soll. Luka Doncic ist der Superstar und das Gesicht der neuen Ära. Austin Reaves ist seine Nummer 2 und wird eine größere Verantwortung als Spieler und Leader übernehmen. Dazu kommen jede Menge neue Rollenspieler, die integriert werden müssen.

 

„Ich fühle mich großartig. Ich bin bereit.“ – Luka Doncic

Und zumindest am Media-Day wirken Luka Doncic und Austin Reaves so, als hätten sie richtig Lust darauf, diese Verantwortung zu übernehmen. „Ich fühle mich großartig“, sagt Doncic. „Ich bin bereit. Es ist lange her, dass ich Basketball gespielt habe. Ich bin bereit loszulegen.“ Nach meinem ersten Media-Day bei den Lakers habe ich zumindest das Gefühl: Die neue Ära kann beginnen.

 

Julius Schubert ist bekannt als Content Creator unter dem Namen @justakidfromgermany. Auf YouTube präsentiert er seinen über 30.000 Abonennten regelmäßig neue NBA-Analysen. Seit 2024 schreibt er zudem als Kolumnist für die BASKET. In seiner Kolumne „Under the Microscope“ nimmt er taktische Entwicklungen unter die Lupe und liefert spannende Einblicke in die Welt der NBA – regelmäßig auch hautnah vor Ort.

Stand der Daten: 30. September 2026 | Fotocredits: GettyImages, privat

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