Für Frieda Bühner war die Rückkehr in die WNBA nach der Frauen-Weltmeisterschaft eine besondere Herausforderung. Mit der deutschen Nationalmannschaft erlebte die Rookie-Spielerin ein Turnier, das ihr sportlich und emotional einiges abverlangte.
„Dieser mentale Turnaround ist tough, aber man kriegt es irgendwie hin." - Frieda Bühner
Viel Zeit, um die Eindrücke zu verarbeiten, blieb anschließend allerdings nicht. Vor dem Spiel ihrer Portland Fire gegen die Golden State Valkyries nahm sie sich ein paar Minuten Zeit für mich.
„Ja, der Turnaround ist schon tough, vor allem jetzt direkt ein Back-to-Back, gerade mit dem Reisen“, erklärte Bühner. Trotzdem freute sie sich auf die Rückkehr zu den Portland Fire. „Ich habe mich total gefreut, auch wieder hier hinzukommen, weil ich mich einfach total wohl hier fühle. Ich wurde schön empfangen.“
Die Freude über das Wiedersehen mit dem Team war also groß. Körperlich und mental war der Neustart aber alles andere als einfach. Jetlag, wenig Zeit zur Erholung und der Wechsel zwischen zwei Basketballwelten machten Bühner zu schaffen. „Du bist zweieinhalb Wochen in einem komplett anderen System. Das war so ein Hoch und auch so eine Enttäuschung am Ende, und es hat so Spaß gemacht. Und jetzt bist du komplett wieder in der Saison. Dieser mentale Turnaround ist tough, aber man kriegt es irgendwie hin.“
Genau darin liegt das Problem dieser besonderen WNBA-Saison. Die WM-Pause sollte den Spielerinnen die Möglichkeit geben, für ihre Nationalmannschaften aufzulaufen, andere Spielerinnen bekamen Urlaub. Dafür wurde die Saison unterbrochen, bevor der Ligaalltag direkt wieder losging. Die sportlichen Abläufe, die Mitspielerinnen und sogar die Rolle auf dem Parkett können sich dabei verändern.
Bei der Basketball-WM in Berlin erzielte Frieda Bühner von den Portland Fire 11,7 PPS – die zweitmeisten im deutschen Team.
Selbstvertrauen als Mitbringsel
Vor Ort wurde deutlich, dass die Pause nicht für alle dieselbe Bedeutung hatte. Während einige Spielerinnen mit viel Selbstvertrauen aus der WM zurückkamen, mussten andere zunächst wieder ihren Rhythmus finden. Und für die Coaches bestand die Aufgabe darin, beides miteinander zu verbinden.
Dass die WM nicht nur zusätzliche Belastung bedeutet, zeigt Stephanie Talbot von den Las Vegas Aces, die bei der WM für Australien spielte.
„Ich habe richtig Selbstbewusstsein getankt bei der Weltmeisterschaft, gerade was meinen Wurf angeht.“ - Stephanie Talbot
Für sie war das Turnier auch eine Chance, mit einem besseren Gefühl in die entscheidende Saisonphase zu gehen. „Ich habe richtig Selbstbewusstsein getankt bei der Weltmeisterschaft, gerade was meinen Wurf angeht. Das versuche ich mitzunehmen, während wir uns auf die Playoffs vorbereiten“, sagte Talbot auf der Pressekonferenz in Las Vegas.
Gerade in dieser Saisonphase kann ein solches Erfolgserlebnis wichtig sein. Wenn Spielerinnen aus dem Turnier mit mehr Selbstvertrauen zurückkommen, kann die WM-Pause deshalb auch sportlich einen positiven Effekt haben.
Auch Valkyries-Head-Coach Natalie Nakase hob hervor, dass ihre Spielerinnen während der Weltmeisterschaft weitere Schritte gemacht hätten. Besonders Janelle Salaün überzeugte sie mit ihrer Entwicklung in der Defensive. „Ich denke, sie hat defensiv noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Ihre Energie und ihre Kommunikation waren auf dem allerhöchsten Niveau“, erklärte Nakase.
Für Golden State ist das eine wichtige Erkenntnis. Gerade in der entscheidenden Saisonphase kommt es darauf an, dass die Spielerinnen ihre Rollen kennen und auf dem Parkett miteinander kommunizieren. Wenn eine Spielerin aus einem internationalen Turnier mit neuen Erfahrungen zurückkommt, kann das der gesamten Mannschaft helfen.
Gabby Williams als Vorbild

Gabby Williams spielte eine starke Weltmeisterschaft und ist in den WNBA-Finals die Schlüsselfigur der Golden State Valkyries.
Noch deutlicher fiel Nakases Einschätzung zu Gabby Williams aus. Die Französin gehörte bei der WM zu den auffälligsten Spielerinnen und überzeugte nicht nur mit ihrer Leistung, sondern auch als Führungsspielerin.
„Gabby war offensichtlich kurz davor, MVP des Turniers zu werden. Ihre Führungsqualitäten waren meiner Meinung nach herausragend. Ich habe nie gesehen, dass sie ins Wanken geraten ist. Das ist etwas, woran wir hier arbeiten wollen“, sagte Nakase. Für die Valkyries ist das besonders interessant. Die Spielerinnen sollen das, was sie auf internationaler Bühne gelernt haben, in die Mannschaft einbringen. Williams’ Auftreten kann dabei ebenso ein Beispiel sein wie Salaüns defensive Entwicklung.
„Jede Spielerin ist anders, deshalb gebe ich ihnen ihren Freiraum und die Zeit, die sie brauchen.“ - Natalie Nakase
Trotzdem wollte Nakase ihre Rückkehrerinnen nicht sofort wieder voll belasten. Nach einem ersten Check-in mit Williams, Salaün und Cecilia Zandalasini fiel ihr Eindruck zwar positiv aus, gleichzeitig war klar, dass die Spielerinnen Zeit brauchten. „Sie sehen gut aus. Sie brauchten diese Ruhe und Erholung. Sie brauchten Schlaf. Es scheint, als würden sie sich verbessern“, sagte sie auf der PK in San Francisco. Williams wurde bei den beiden ersten Spielen meines Trips jeweils geschont, erst beim letzten Game war sie wieder am Start. Nakase machte dabei deutlich, dass sie nicht für jede Spielerin denselben Plan verfolgen möchte: „Jede Spielerin ist anders, deshalb gebe ich ihnen ihren Freiraum und die Zeit, die sie brauchen.“
Zwischen Regeneration und Playoff-Vorbereitung
Genau diese Balance ist für die Teams eine der größten Herausforderungen. Einerseits müssen sie nach der Pause schnell wieder funktionieren. Andererseits wäre es riskant, Spielerinnen nach einem intensiven Turnier und den anschließenden Reisen sofort wieder an ihre Grenzen zu bringen.
Auch bei den Los Angeles Sparks wurde deutlich, dass die Unterbrechung nicht automatisch bedeutet, dass sich alle Abläufe anschließend wieder wie gewohnt anfühlen. Guard Erica Wheeler bezeichnete die Pause zwar als „großartig“ und „dringend benötigt“. Gleichzeitig erklärte sie, wie schwierig es sein kann, nach einer Unterbrechung wieder in den Rhythmus zu kommen.
Dabei ging es vor allem um defensive Abläufe, Kommunikation und die Transition-Defense. Gerade solche Dinge brauchen Wiederholungen und Abstimmung. Eine Mannschaft kann nicht einfach davon ausgehen, dass nach einer Pause alles genauso funktioniert wie zuvor.
Die WM-Pause war für die WNBA-Teams eine Chance und Herausforderung zugleich. Sie ermöglichte Spielerinnen, ihr Land zu vertreten, internationale Erfahrungen zu sammeln und neues Selbstvertrauen zu gewinnen. Gleichzeitig kostete sie Kraft, brachte die gewohnten Abläufe durcheinander und ließ den Teams wenig Zeit für die Playoff-Vorbereitung. Welche Teams das Maximum aus dieser besonderen Situation herausholen können, wird sich erst noch zeigen.

Julius Schubert ist bekannt als Content Creator unter dem Namen @justakidfromgermany. Auf YouTube präsentiert er seinen über 30.000 Abonennten regelmäßig neue NBA-Analysen. Seit 2024 schreibt er zudem als Kolumnist für die BASKET. In seiner Kolumne „Under the Microscope“ nimmt er taktische Entwicklungen unter die Lupe und liefert spannende Einblicke in die Welt der NBA – regelmäßig auch hautnah vor Ort.
Stand der Daten: 30. September 2026 | Fotocredits: IMAGO/Icon Sportswire, privat

