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Phoenix Hagen: Der lange Weg zurück

Im Herbst 2016 ging Phoenix Hagen mitten in der Hauptrunde das Geld aus, kurz darauf war der Verein aus der Tabelle weg. Knapp zehn Jahre später ist der Klub zurück in der BBL. Wird es ein kurzer Besuch oder kann sich das Team etablieren?

Kijanusch Holz

5. November 2026

Im November 2016 verliert Phoenix Hagen ein Spiel nach dem anderen. Zu Hause unterliegt die Mannschaft Tübingen 76:98, und eine Woche später geht sie in Ulm mit 64:116 unter. Am 26. November kommt der FC Bayern München in die Ischelandhalle, und auch dieser Abend endet mit einer Niederlage, 77:97. Einen Sieg hat der Tabellenletzte in dieser Saison noch nicht geholt, und das wird auch fürs Erste so bleiben, denn das Bayern-Spiel war für knapp zehn Jahre das letzte Erstligaspiel. Wenige Tage später rechnet Geschäftsführer Patrick Seidel den Sponsoren vor, wie es um den Klub steht. „Zusätzliche 800.000 Euro bräuchten wir jetzt, um die Saison geordnet zu Ende zu spielen“, sagt er und fügt hinzu: „Die Erfahrung der letzten Wochen zeigt, das schaffen wir nicht.“ Am 30. November zieht der Lizenzligaausschuss der BBL die Reißleine. Wegen „fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit für die verbleibende Spielzeit 2016/2017“ entzieht er dem Klub die Lizenz mit sofortiger Wirkung. Die Ergebnisse der Saison werden gestrichen, als hätte es Phoenix in dieser Spielzeit nie gegeben. Liga-Geschäftsführer Stefan Holz nennt den Entzug „ohnehin unvermeidlich“. Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort beginnt nicht im Herbst 2016, sondern Jahre früher, in einer Stadt, die ihren Bundesligabasketball schon einmal verloren hatte.

 

 

Aus der Asche der Phoenix 

Hagen war Basketballstadt, lange bevor es Phoenix gab. 1974 wurde der SSV Hagen Deutscher Meister. Später spielte Brandt Hagen in der Bundesliga, bis dieser Klub Ende 2003 insolvent ging und sich vom Spielbetrieb abmeldete. Rund 420.000 Euro fehlten damals laut taz. Die Bürger spendeten sogar noch binnen vier Tagen 200.000 Euro, doch gerettet war der Klub damit nicht. Ein halbes Jahr nach dem Aus von Brandt Hagen wurde dann im Mai 2004 Phoenix Hagen gegründet. Zwölf Jahre später sollte sich die Geschichte wiederholen.

Die Hagen-Fans sind wieder zahlreich vertreten.

Ein Absturz mit Anlauf 

Dabei begann der Weg nach oben für Phoenix Hagen solide. Laut einer Chronik hielt sich der Klub bis zum Aufstieg 2009 an eine einfache Regel: nicht mehr ausgeben als einnehmen. Die Aufstiegssaison 2008/09 schloss er mit 45.000 Euro Gewinn ab. Dann kam die erste Liga, und mit ihr die Frage, wo man überhaupt spielen sollte. Die BBL verlangte mindestens 3.000 Plätze. Weil ein Plan mit einem Zelt am Ischelandstadion scheiterte, baute Phoenix eine Tennishalle in Hohenlimburg um. Kalkuliert waren 350.000 Euro, doch mit Nachinvestitionen wurden daraus rund 650.000 Euro. Mitte 2010 stand der Klub erstmals mit 140.000 Euro im Minus. Es blieb nicht bei dieser einen Halle. Mit Geld aus dem Konjunkturpaket wurde die Ischelandhalle zur Enervie Arena ausgebaut, und Phoenix trug einen Eigenanteil von 500.000 Euro über fünf Jahre und rund 150.000 Euro für die Ausstattung. Der Fehlbetrag kletterte auf 415.000 Euro. Ausgerechnet rund um den sportlichen Höhepunkt verschärfte sich die Lage noch: Unter Ingo Freyer, der vom Aufstieg bis 2016 an der Seitenlinie stand und für schnellen Offensivbasketball bekannt war, erreichte Phoenix 2012/13 als Achter die Playoffs – zum einzigen Mal in den BBL-Jahren. Im Viertelfinale war gegen Bamberg Schluss. Die Rechnung kam trotzdem: Prämien, Gehälter, Reisen und Steuernachforderungen trieben den Fehlbetrag auf 501.000 Euro. Die Liga verhängte wegen der verspäteten Mitteilung eine Geldstrafe. Anschließend verordnete der Klub sich selbst einen dreijährigen Sanierungsplan. Ende Januar 2015 wurde die Basketball Hagen GmbH & Co. KGaA mit 400.000 Euro Stammkapital gegründet. Wie schwer die Altlasten wogen, die sie mitbrachte, darüber gingen die Meinungen auseinander. Während der Aufsichtsrat von rund 800.000 Euro sprach, bestritt der langjährige Geschäftsführer Oliver Herkelmann das und verwies auf den Rückzug von Sponsoren, darunter städtische Töchter. Ohne sie, so Herkelmann, war der Sanierungsplan nicht zu halten.

 

 

Das Jahr zum Vergessen 

Dann stieg Enervie aus, Namens- und Hauptsponsor zugleich. 2015/16 verfehlte die KGaA dann das angestrebte Budget von 2,9 Millionen Euro deutlich. Das strukturelle Defizit lag dagegen bei knapp 300.000 Euro. Im Sommer 2016 brachen die Einnahmen endgültig ein. Etliche Sponsoren sprangen ab, und eine Ticketpreiserhöhung ging gehörig schief, da im Schnitt rund 600 Zuschauer weniger kamen. Die Mindereinnahmen wurden unter anderem deswegen auf 600.000 bis 800.000 Euro geschätzt. Ausgerechnet das Publikum war 2016 Teil des Problems geworden. 

Am 19. Oktober 2016 stellte die KGaA Insolvenzantrag in Eigenverwaltung, wofür die BBL vier Punkte abzog. Die Saison sollte trotzdem zu Ende gespielt werden, aber der Plan hielt nur rund sechs Wochen. Tabellenletzter war Phoenix da ohnehin schon, doch entschieden hat am Ende das Geld.

 

 

Neustart unter Aufsicht

 

Am 1. Dezember 2016 wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Sponsoren sagten 231.000 Euro zu, damit sollte der Betrieb weiterlaufen und ein Team für die ProA entstehen. Ob Phoenix dort überhaupt spielen durfte, war damit aber noch lange nicht gesichert. Ende März 2017 stimmten die Gläubiger dem Sanierungsplan zu, was zur Folge hatte, dass der Klub am 11. Mai 2017 die ProA-Lizenz bekam – allerdings unter Auflagen: Die Liga begleitete Hagen eng, und 80 Prozent der Sponsoreneinnahmen mussten schon bis 30. Juni unterschrieben vorliegen statt wie üblich Ende September. Geschäftsführer Patrick Seidel nahm die Bedingungen an: „Wir akzeptieren jede Auflage ohne Wenn und Aber.“

Patricio Garino mit dem Finish per Lay-Up.

Neun Jahre zweite Liga 

Halt fand die Mannschaft erst mit Trainer Chris Harris. Im November 2018, nach der Entlassung von Kevin Magdowski, übernahm der bisherige Bremerhavener Assistenztrainer das Team. „Er ist ein absoluter Glücksfall für uns“, sagte Seidel damals. Er sollte recht behalten: Harris blieb, durch alle weiteren ProA-Jahre bis in die BBL. Der Weg nach oben aber war lang, denn in den ersten fünf ProA-Spielzeiten kam Phoenix nicht über Platz acht hinaus. 2023 war dann als Achter im Playoff-Viertelfinale gegen Vechta mit 0:3 Schluss. 

Den Plan für die Rückkehr in die erste Liga entwickelte Phoenix Hagen erst, nachdem sich der Klub gefestigt hatte. Ab Sommer 2021 hieß es schließlich Wiederaufstieg mit der „Perspektive 2025“. Mit diesem Ziel vor Augen kam es zu einer Änderung in der Chefetage: Im Juli 2022 begrüßte Hagen Martin Schmidt als Geschäftsführer, mit dem Ziel, Phoenix „wieder zu einem erstligareifen Programm“ zu entwickeln. Dazu gehörten ein Farmteam-Konzept, Nachwuchsteams in NBBL, JBBL und WNBL sowie Angebote an mehr als 60 Grundschulen und Kitas. Bis 2025 wollte der Klub um den Aufstieg mitspielen. 2025 stand das Team als Sechster im Halbfinale und verlor gegen Trier 0:3. Das Ziel war knapp verfehlt, doch ein Jahr später wurde es erreicht.

 

 

Meister in der ProA 

In der Hauptrunde 2025/26 gewann Phoenix 28 von 34 Spielen und wurde Erster. Wozu diese Mannschaft fähig war, zeigte ein Abend im Januar: Beim 100:67 gegen Koblenz stellte die Zonenverteidigung den Gegner vor Probleme; vorne lief der Ball, bis der Dreier frei war, das Rebound-Duell ging an Phoenix, und von der Bank kamen Punkte. Im Viertelfinale setzte sich Phoenix glatt mit 3:0 gegen Karlsruhe durch. Das Halbfinale gegen Bremerhaven ging dann über die volle Distanz. Am 30. Mai 2026 gewann der Klub das fünfte Spiel 85:65 und sicherte sich mit dem Finaleinzug das sportliche Aufstiegsrecht. „Dieser Aufstieg ist für die Menschen dieser Stadt“, sagte Harris danach. Am 7. Juni kam der Titel sogar noch obendrauf: Nach dem 82:86 in Kirchheim drehten die Feuervögel das Finale im Rückspiel in der Ischelandhalle mit 93:82 und wurden ProA-Meister. Und die Halle war wieder voll. Laut Klub war sie in der Hauptrunde mit 98 Prozent die am besten ausgelastete der Liga. Die Zuschauer, die 2016 ausgeblieben waren, kamen wieder.

 

Zurück, aber nicht angekommen 

Sportlich war der Aufstieg Ende Mai geschafft, wirtschaftlich noch nicht. Damit stand Phoenix vor genau der Frage, an der der Klub 2016 gescheitert war. Die BBL-Lizenz kam im Mai 2026, noch während der Viertelfinalserie, zunächst unter auflösenden Bedingungen: Phoenix musste eine höhere Eigenkapitaleinlage und unterschriebene Sponsorenverträge in signifikanter Höhe nachweisen. Diesmal lieferte der Klub. Am 16. Juni 2026 bestätigte der Lizenzligaausschuss die Lizenz ohne weitere Auflagen. Schmidt nannte das den „maßgeblichen Verdienst des Phoenix-Netzwerkes“. Am 19. September 2026 stand Phoenix erstmals seit knapp zehn Jahren wieder in einem BBL-Spiel. Es ging in Rostock 92:102 verloren, und der Start blieb holprig: Das erste Heimspiel endete 78:93 gegen Ulm, und in Chemnitz unterlag der Aufsteiger nach Verlängerung 93:94. Am 10. Oktober gelang in Oldenburg mit 87:78 der erste Sieg. Dann kam Braunschweig. Am 25. Oktober gewann Phoenix gegen die Basketball Löwen 88:73, vor 3.145 Zuschauern in der ausverkauften Ischelandhalle. Topscorer war Trenton Gibson mit 22 Punkten. Es war der erste BBL-Heimsieg seit über zehn Jahren. Wie dünn die Luft eine Liga höher ist, zeigte sich nur fünf Tage später. Gegen RASTA Vechta, die ebenfalls schlecht in die Saison gestartet waren, verlor Phoenix zu Hause mit 74:100. Auf Nachfrage von Home-of-Basket-Reporterin Hassnae Habsaoui, was diese Niederlage für den Verein bedeutet, bezeichnete Forward Tim Uhlemann sie als „kleinen Dämpfer“, fand aber auch aufmunternde Worte: „Wir kämpfen uns zurück, wir bleiben im Prozess und machen die nächsten Schritte in den nächsten Spielen.“ Klar bleibt weiterhin das Ziel: Klassenerhalt.

 

Hinweis: Am 06.11. geht es in Berlin gegen ALBA. Streaming: DYN.

Autor: Kijanusch Holz | Stand der Daten: 04. November 2026 | Fotocredits: IMAGO

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