„I was telling him he sucks“, was so viel heißt wie „ich habe ihm gesagt, du bist schlecht“, antwortete Yaxel Lendeborg nach dem Spiel am 21. Oktober in Los Angeles auf die Frage, was er Luka Doncic gesagt habe. Es war Lendeborgs erstes NBA-Spiel, und die Lakers hatten es gerade mit 127:105 gewonnen.
Die Aufgabe, die der Rookie zum Karriereauftakt in der NBA von Coach Steve Kerr erhielt, war eine besondere. Nicht nur, dass der 24-Jährige in der Starting-Five stand, sondern er bekam als Gegenspieler den vielleicht besten Scorer der Liga, Luka Doncic, zugeteilt. Dieses Matchup ist einer der Gründe, weshalb die bisherige Saison so verdammt viel Spaß macht. Warum? Da war Feuer drin!
Lendeborg verteidigte Doncic über das gesamte Feld und versuchte, ihm das Leben möglichst schwer zu machen. Mit einem Pump-Fake zog der spät im zweiten Viertel ein Foul, woraufhin das Shit-Talking auf beiden Seiten Feuer fing. Luka machte sich über den Neuling lustig, während Lendeborg sich feierte.
Selbst als der Warriors-Athlet eine kurze Verschnaufspause erhielt, war der Slowene sich nicht zu schade, nach einem erfolgreichen Jumper weiter auf ihn einzureden. Er sagte so etwas wie „komm wieder aufs Feld“. Diesen Wunsch erfüllte Kerr dem Lakers-Guard sofort. Lendeborg stand bereit an der Seitenlinie. Dass der Warriors-Coach damit ein regelrechtes Matchup-Feuerwerk zugunsten von Los Angeles kreierte, war ihm bei dieser Entscheidung wohl nicht bewusst. Der 24-Jährige stoppte seinen Gegenspieler zunächst souverän und redete, was sonst, Trash, bis der Schiedsrichter beim Zurücklaufen Lendeborg sein erstes technisches Foul seiner NBA-Karriere schenkte. Lendeborg erklärte das später, ohne es schönzureden: Er habe „ein paar Schimpfwörter“ benutzt. Mit der Halbzeitsirene versenkte der Slowene dann auch noch einen Wurf von nahe der Mittellinie über das Brett, in dem er über den Rookie warf. Dass damit das Duell nicht abkühlte, ist selbsterklärend. 66:52 stand es zur Pause, das zweite Viertel hatten die Lakers 32:19 gewonnen.
Nach dem Spiel legte dann Lendeborg los. Er habe Doncic vorher sehr respektiert, sagte er, aber nach all dem „Jammern und Beschweren“ aus nächster Nähe habe er „allen Respekt verloren“. Seine Zusammenfassung des Abends lieferte er gleich mit: „Viel Flopping, viel Foul-Baiting, viel Beten zu den Schiedsrichtern.“
Wie groß ist der Beef wirklich?
Doncic hielt den Ball flach. Lendeborg habe „verrückt geredet“, sagte er, er selbst habe aber nicht zurückreden wollen, weil er in dieser Saison keine technischen Fouls sammeln wolle, was definitiv nicht so aussah. Zum Buzzer-Beater zur Halbzeit sagte er, er habe gewusst, dass der Ball reingeht, bevor er ihn überhaupt in der Hand hatte.
Kerr nahm seinen Rookie in Schutz, ohne ihn ganz freizusprechen. Lendeborg sei „ein bisschen hineingelockt“ worden, das einseitige technische Foul fand der Cheftrainer jedoch „lächerlich“, und auch Doncics Geste nach dem Halbzeitwurf hätte aus seiner Sicht eines verdient. Stephen Curry sah es laut NBC Sports Bay Area pragmatisch: Lendeborg lege sich damit selbst die Latte, jetzt müsse er liefern, „und das gefällt mir“. Auch Draymond Green hat Gefallen daran gefunden. Er wehrte sich gegen die Lesart, der Rookie habe seine Lektion gelernt. Was er denn gelernt habe, fragte Green. Beim nächsten Mal solle Lendeborg wieder auf Luka losgehen.
Am Ende kam der Lakers-Star auf 28 Punkte, 8 Rebounds und 7 Assists, traf alle neun Freiwürfe, erzielte 23 seiner Punkte vor der Pause und spielte im vierten Viertel nicht mehr. Lendeborg beendete sein Debüt mit 12 Punkten bei 5 von 11 Würfen, einem von vier Dreiern, vier Fouls und einem Plus-Minus von −21. Kerr fasste es in den Tagen danach so zusammen: Eins gegen eins habe Lendeborg Doncic gut verteidigt, als Team sei man von ihm aber „abgefackelt“ worden. Die Schuld trifft also alle, nicht nur den unerfahrenen Forward.

Lendeborg und Doncic mussten auseinandergehalten werden.
Elf Spiele Highschool-Basketball
Woher nimmt ein Rookie, der erst in seinem letzten Schuljahr ernsthaft mit Basketball anfing, diese Selbstverständlichkeit? Beantworten kann das nur er selbst. Nachzeichnen lässt sich sein besonderer Weg dennoch. Seine Familie stammt aus der Dominikanischen Republik und lebte laut The Athletic in Santo Domingo, bevor sie in die USA ging. Als Yaxel zwei war, zog sie nach Ohio, später nach Pennsauken in New Jersey. Seine Mutter Yissel Raposo spielte selbst Basketball, sogar für dominikanische Auswahlteams. In den USA arbeitete sie nach dem Bericht in Zwölf-Stunden-Schichten in einem Lager, fuhr nebenher Uber und putzte am Wochenende Kirchen. „Von einem Job zu drei Jobs zu jetzt gar keinem“, beschrieb Lendeborg den Weg seiner Mutter gegenüber The Athletic.
Er selbst brauchte Zeit, um seinen Traum, ein gestandener Basketballer zu werden, zu finden. Als Teenager verbrachte er nach eigener Darstellung viele Stunden am Tag mit Videospielen. Wegen seiner Noten durfte er an der Pennsauken High School lange nicht spielen, erst über Zusatzkurse am Camden County College wurde er im Abschlussjahr spielberechtigt. Seine Highschool-Karriere bestand am Ende aus elf Varsity-Spielen, zehn davon gewann sein Team. Für einen späteren Lottery-Pick ist das ein bemerkenswert kurzer Highschool-Lebenslauf.
Nach der Highschool arbeitete Lendeborg mit seiner Mutter in einem Lager. Dass es dabei nicht blieb, lag vor allem an ihr. Raposo organisierte Showcases, kontaktierte Trainer und setzte durch, dass er ans Arizona Western College in Yuma ging. Er selbst wollte das zunächst nicht. „Ich wollte definitiv nicht hin“, sagte er dem Portal Andscape, er habe gebettelt, nicht gehen zu müssen.
Von Yuma bis zum NCAA-Titel
Aus dem Widerwillen wurden drei Saisons und 78 Spiele am Arizona Western College, von 2020 bis 2023. In seinem letzten Jahr dort kam Lendeborg auf 17,2 Punkte und 13,0 Rebounds, mit 429 Rebounds führte er die NJCAA Division I an. Kyle Isaacs, damals Assistent und ab April 2021 Head Coach in Yuma, nennt ihn „einen der besten Rebounder, die ich gesehen habe“.
Eigentlich hatte er danach bei St. John’s unterschrieben, nach dem dortigen Trainerwechsel ging er im April 2023 aber zu UAB. Dort wurde er zweimal Defensive Player of the Year der American Athletic Conference, zweimal ins First Team All-AAC gewählt und 2024 MVP des Conference-Turniers. 2024/25 legte er 17,7 Punkte, 11,0 Rebounds und 4,2 Assists auf.
Im Frühjahr 2025 zog er seine Draft-Anmeldung zurück und wechselte für die letzte College-Saison nach Michigan. Seine Rebounds gingen dort auf 6,8 pro Spiel zurück, dazu kamen 15,1 Punkte und 3,2 Assists. Er wurde Big Ten Player of the Year, als erster Michigan-Spieler seit Trey Burke 2013. Am 6. April 2026 gewann Michigan in Indianapolis den NCAA-Titel, 69:63 gegen UConn, den ersten seit 1989. Lendeborg war im Finale gesundheitlich angeschlagen und kam auf 13 Punkte bei 4 von 13 Würfen.
In diese Saison fiel auch eine Nachricht aus der Familie. Seine Mutter erhielt Ende 2025 eine Krebsdiagnose und verschwieg sie ihm zunächst, damit er sich auf seine letzte College-Saison konzentrieren konnte. „In jedem Leben würde ich jedes Mal dieselbe Mutter wählen“, sagte Lendeborg.
Im Juni zog Golden State ihn an Position elf. General Manager Mike Dunleavy erzählte, Kerr habe vor dem Draft die Forward-Position als größte Lücke im Kader benannt. Die Summer League lieferte eine erste Bestätigung. Im Finale am 19. Juli gewann Golden State 94:90 gegen Memphis, Lendeborg kam auf 21 Punkte und 10 Rebounds. Er wurde MVP des Finales, MVP der gesamten Summer League und ins All-Summer-League First Team gewählt. Die Trash-Talk-Attitüde, die Doncic abbekam, gab es schon im Sommer. Im Juli sagte Lendeborg laut ESPN über Cameron Boozer, er denke bei jedem Duell an Revanche, die Schiedsrichter würden Boozer „retten“, und er spüre einen Konkurrenzdrang gegenüber jedem, der vor ihm gedraftet wurde.

Lendeborg gewann mit Michigan den ersten NCAA-Titel der Universität seit 1989.
Vier Spiele, drei Gesichter
Der Warriors-Kader, in dem Lendeborg sich nun zurechtfindet, ist dünn besetzt. Golden State fehlen Jimmy Butler und Moses Moody langfristig, Kristaps Porziņģis war zum Saisonstart ebenfalls nicht beim Team, Brandin Podziemski fiel mit Rückenproblemen aus. Lendeborg begann die ersten vier Saisonspiele und stand zwischen knapp 29 und gut 37 Minuten pro Partie auf dem Feld.
Am 23. Oktober, beim ersten Heimspiel, verlor Golden State 108:111 gegen Memphis und seinen Rivalen Cameron Boozer. Lendeborg spielte knapp 37 Minuten und sammelte 18 Punkte, 13 Rebounds, davon 7 offensiv, 6 Assists und 3 Steals. Es war sein erstes NBA-Double-Double, ebenso wie für Boozer auf der Gegenseite. Die Kehrseite: 6 Ballverluste, 4 von 11 aus dem Feld und bei 9:45 im dritten Viertel ein doppeltes Technical zusammen mit Ty Jerome, sein zweites T im zweiten Spiel.
Einen Tag später in Phoenix fehlten Curry, Draymond Green und Podziemski. Lendeborg sprang mit einer größeren Rolle ein: Er traf 9 von 19 Würfen, darunter 6 von 11 Dreiern, und kam auf 26 Punkte, 9 Rebounds und 5 Assists. Es war sein erstes 20-Punkte-Spiel in der NBA. Golden State verlor trotzdem 122:131.
Am 26. Oktober gewann Golden State dann in Denver 134:114, der erste Saisonsieg nach dem 0:3-Start. Lendeborg erzielte hier sensationelle 31 Punkte, seinen Karrierebestwert, dazu kamen 12 Rebounds und 6 Assists in 31 Minuten bei einem Plus-Minus von +27. Er traf 9 von 19 Würfen und holte sich den Rest an der Linie: 12 von 13 Freiwürfen.
Ein außergewöhnlicher Rookie
Nach vier Spielen steht Lendeborg bei 21,8 Punkten, 9,3 Rebounds und 4,8 Assists im Schnitt. Aufschlussreicher als der Schnitt ist, wie er zustande kommt. Lendeborg ging 31-mal an die Freiwurflinie und traf 24, 25 dieser Versuche allein gegen Memphis und Denver. Dazu kommen 18 Offensivrebounds. Seine Punkte holt er bislang vor allem über Kontakt am Korb und Arbeit am Brett, also mit dem, was ihn schon in Yuma und bei UAB ausgezeichnet hat. Auch als Passer ist er früh sichtbar: 4,8 Assists im Schnitt sind mehr, als er in seiner Michigan-Saison auflegte (3,2 pro Spiel).
Der Dreier ist noch kein verlässlicher Teil des Pakets. Lendeborg hat 9 von 26 getroffen, sechs davon an einem Abend in Phoenix, in den anderen drei Spielen zusammen 3 von 15. Auch 11 Ballverluste, sechs davon gegen Memphis, sind für vier Spiele nicht gerade wenig.
Vor dem Draft nannte ihn das Profil auf NBA.com „vermutlich den NBA-reifsten Spieler des Jahrgangs“. Bleacher Report führte ihn nach Synergy-Daten 2025/26 als Spot-up-Schützen, im Post, als Pick-and-Roll-Ballhandler, in Transition und als Cutter jeweils unter den besten zehn Prozent, sah aber seine begrenzte Explosivität und Selbstkreation (3 von 14 in Isolation) sowie sein Alter kritisch.
Vieles davon trifft zu: Kerr ist schon nach vier Spielen angetan. „In allen kritischen Momenten haben wir ihm einfach den Ball gegeben“, sagte er nach dem Sieg in Denver, für einen Rookie sei es „extrem selten“, schon so weit zu sein. Vier Spiele mit vielen Minuten in einem ausgedünnten Kader bleiben trotzdem nur eine kleine Stichprobe, die aber mindestens zeigt, dass im Warriors-Neuling jede Menge Feuer und spielerisches Potenzial steckt.
Rückspiel in San Francisco
Am 30. Oktober kommen die Lakers nach San Francisco.
Autor: Kijanusch Holz | Stand der Daten: 28. Oktober 2026 | Fotocredits: Getty Images

