Noch 8,3 Sekunden. Atlanta hat sich durch zwei Freiwürfe von Allisha Gray noch einmal auf drei Punkte herangekämpft und anschließend einen Sprungball zwischen Gray und Gabby Williams erzwungen. Gewinnen die Dream die nächste Possession, können sie per Dreier noch ausgleichen, doch den Ball sichert Valkyries Veronica Burton. Sie geht an die Linie und zweimal fällt der Ball, 68:63. Damit ist am 31. Oktober 2026 im Chase Center das entschieden, was die WNBA so noch nie gesehen hatte: das erste siebte Spiel einer Finalserie, seit die Liga 2025 auf Best-of-Seven umgestellt hat. Die Golden State Valkyries schlagen Atlanta Dream mit 4:3 und sind Meister, in ihrer zweiten Saison überhaupt.
Finals-MVP wird Gabby Williams, mit 30 Punkten im letzten Spiel. Dass ausgerechnet sie diesen Abend prägen würde, war zur Pause nicht abzusehen. Da stand sie bei gerade einmal zwei Punkten.
Ein Versprechen mit Frist
Als Golden State den Zuschlag für das Expansion-Team bekam, gab Eigentümer Joe Lacob ein selbstbewusstes Ziel aus: ein Titel binnen fünf Jahren. Schon die erste Saison 2025 brachte mehr, als man von einem Neuling erwarten durfte. 23 Siege – so viele wie kein Expansion-Team zuvor. Und als erstes überhaupt erreichten sie direkt die Playoffs. Dort war jedoch in Runde eins nach nur zwei Spielen gegen die Minnesota Lynx ohne einen Sieg Schluss.
Für Jahr zwei setzte das Management auf Kontinuität im Kader, lediglich mit gezielter hochkarätiger Ergänzung. Acht Rotationsspielerinnen blieben, dazu kamen All-Star-Flügel Gabby Williams und Kiah Stokes, dreifache Meisterin, gedacht für die Rotation unter dem Korb.
Die Valkyries wurden ein Team, das seine Gegner defensiv zermürbt. Zur All-Star-Pause standen sie bei 19:8 und ließen im Schnitt 76,4 Punkte zu – den Bestwert der Liga. Vor allem ihre Tiefe sprach für sie. Hinter der Starting Five wartete eine Bank, die selbst Spiele drehen konnte. Janelle Salaün wurde mit allen 74 Stimmen zur Sixth Player of the Year gewählt. Ihre 509 Punkte sind ein Saisonrekord für Reservistinnen.

Die zwei Gesichter des Finals: Finals-MVP Gabby Williams und Angel Reese.
Zwei Schreckmomente, ein Sweep
Angekommen in den Playoffs, war der Auftakt gegen Dallas mit 104:80 direkt ein Brett. Danach wurde es eng. In Spiel 2 erzielte Wings-Guard Arike Ogunbowale mit 45 Punkten einen neuen Playoff-Rekord, und Dallas gewann 108:100 nach Verlängerung. Im bereits entscheidenden dritten Spiel lagen die Valkyries im dritten Viertel mit 37:53 hinten. Fast das Aus, doch sie kamen Stück für Stück zurück. Tiffany Hayes kam von der Bank auf 18 Punkte, Burton auf 16 Punkte, 10 Rebounds und 6 Assists. 1:17 Minuten vor Schluss brachte Williams Golden State wieder in Führung, 13,1 Sekunden vor dem Ende bekamen die Valkyries nach einer Challenge von Trainerin Natalie Nakase den Ball zugesprochen und am Ende stand ein 77:73 – der erste Serienerfolg der Franchise. Gegen Titelverteidiger Las Vegas, welche in drei der vier Jahre zuvor gewannen, folgte ein gekonntes 3:0.
Atlanta schlägt zurück
Im Finale angekommen, hatte man mit Angel Reese und Atlanta Dream keinen einfachen Gegner vor der Brust. Spiel 1 am 17. Oktober war zäh, aber Valkyries-Star Williams entschied es: 26 Punkte, kurz vor der Schlussminute der Freiwurf zur Führung, 4,1 Sekunden vor dem Ende zwei weitere zum 68:64. Nach dem ersten Triumph zu Hause kippte die Serie dann. In Spiel 2 kam Angel Reese auf starke 30 Punkte und 16 Rebounds. Damit war sie die jüngste Spielerin mit mindestens 30 Punkten und 15 Rebounds in einem Finalspiel. Atlanta gewann damit 79:65 – damit feierte die Franchise den ersten Finals-Sieg der Dream-Geschichte. Für die Spiele 3 und 4 zog die Liga aus der Gateway Center Arena mit ihren 3.500 Plätzen in die State Farm Arena der Hawks um, die mehr als 17.000 Zuschauer fasst. Die Valkyries erlebten dort die höchste Niederlage ihrer Playoffs: 71:97. Reese dominierte erneut und kam auf 21 Punkte und 12 Rebounds. 1:2 nach drei Spielen, zweimal zweistellig verloren. Trainerin des Jahres von 2025, Nakase, suchte den Fehler zuerst bei sich. „Es liegt immer an mir“, sagte sie später.

Kiah Stokes wurde mit ihren 19 Blocks zum entscheidenden Faktor in den WNBA-Finals.
Die mutige Entscheidung
Vor Spiel 4 griff Nakase dann überraschend in die Starting Five ein. Tiffany Hayes und Kaila Charles begannen, Kayla Thornton und Cecilia Zandalasini kamen dagegen von der Bank. Ein guter Schachzug: Im zweiten Spiel in Atlanta führten die Valkyries zur Pause direkt mit 42:26. Zwar brach das Team aus San Francisco in der zweiten Halbzeit ein, brachte den Sieg aber mit 67:62 über die Zeit. 2:2. Die zentrale Figur des Sieges stand dieses Mal unter dem Korb. Kiah Stokes holte in Spiel 4 ganze 16 Rebounds, acht davon am offensiven Brett; Reese dagegen traf nur 2 ihrer 12 Würfe. Zwei Tage später, zurück in San Francisco, legte Stokes auch in der Offensive nach: 13 Punkte, drei verwandelte Dreier und ein 64:55. Ganz nebenbei stellte die Centerin einen Finals-Rekord für Blocks auf – am Ende der Serie standen 19 nur in dieser Serie. Geholt worden war sie vor der Saison für die Rotation unter dem Korb, in den Finals blieb Atlantas Angriff an ihr hängen.
Der erste Titel der Franchise lag nur noch eine Partie entfernt, aber Atlanta antwortete mit Wucht und kam mit Überzeugung in das nächste Spiel, um die Serie zu drehen. In Partie 6 führten die Dream nach dem ersten Viertel bereits mit 32:15. Williams’ 26 Punkte reichten nicht: 69:80. Spiel 7.
Zwei Halbzeiten, zwei Welten
Am Halloween-Abend in San Francisco begann Golden State mit dem, was die Saison getragen hatte: Defense. Fünf Blocks im ersten Viertel, Atlanta traf in den ersten fünf Minuten keinen seiner sechs Würfe. Trotzdem führten die Dream zur Pause 30:24. Valkyries-Star Williams stand lediglich bei zwei Punkten. In der Halbzeitkabine musste dann irgendetwas passiert sein. Entweder wurde sie von ihren Kolleginnen wachgerüttelt oder etwas anderes führte zu einer Veränderung. Sicher ist: Im zweiten Teil der entscheidenden Partie kam sie auf 28 Zähler, was so viel ist, wie noch nie in einer Playoff-Halbzeit der WNBA erzielt wurde. Im dritten Viertel erzielte der All-Star alleine die letzten elf Punkte ihres Teams, wodurch die Valkyries nach drei Vierteln 45:44 führten.
In den letzten drei Minuten stand es noch einmal unentschieden, dann traf Williams einen Dreier, und Golden State gab die Führung nicht mehr her.
„An Halloween wollte ich auf keinen Fall verlieren“, sagte Williams bei der Trophäenübergabe. Und Hayes, die zehn Jahre für Atlanta gespielt hatte und vor zwei Jahren aus dem Ruhestand zurückgekehrt war, sagte: „Genau das passiert, wenn man in den Frauensport investiert.“
Am Ende bleibt eine phänomenale Geschichte: Die Valkyries wurden Meister ohne eine aktuelle All-WNBA-Spielerin im Kader. Sie gewannen mit Defense, mit Tiefe, mit einer Trainerin, die nach dem 1:2 überragend umbaute, und mit einer Closerin, die erst nach der Pause aus dem Nichts auftauchte. Lacob hatte fünf Jahre veranschlagt. Es wurden zwei.
Autor: Kijanusch Holz | Stand der Daten: 05. November 2026 | Fotocredits: Getty Images

