Die Zukunft ist in der NBA ein ausgesprochen dehnbarer Begriff. Jahr für Jahr versprechen junge Mannschaften den nächsten Entwicklungsschritt, während Fans und Verantwortliche darauf hoffen, dass aus vielversprechenden Talenten irgendwann echte Leistungsträger werden. Doch irgendwann reicht es nicht mehr, über Potenzial zu sprechen. Irgendwann müssen Siege folgen. Playoff-Teilnahmen. Gewonnene Serien. Vielleicht sogar der Angriff auf die Meisterschaft.
Besonders spannend ist diese Entwicklung aus deutscher Perspektive. Gleich zwei Mannschaften, die in der kommenden Saison eine wichtige Rolle in der Eastern Conference spielen könnten, setzen auf deutsche Nationalspieler. In Orlando steht Franz Wagner vor einer möglicherweise richtungsweisenden Spielzeit, während Tristan da Silva seinen Platz in einer ambitionierten Rotation festigen möchte. In Charlotte soll Dennis Schröder nach dem Abschied von LaMelo Ball Verantwortung übernehmen, während Hannes Steinbach vor seiner ersten NBA-Saison steht.
Doch die beiden Franchises stehen exemplarisch für eine größere Entwicklung. In Detroit ist aus einem jahrelangen Sorgenkind innerhalb kürzester Zeit ein Spitzenteam geworden. Atlanta hat sich nach dem Abschied seines größten Stars neu erfunden. Dallas besitzt mit Cooper Flagg bereits den nächsten potenziellen Superstar, während Washington und Utah noch herausfinden müssen, wie aus ihrer Ansammlung hochveranlagter Spieler eine erfolgreiche Mannschaft werden kann.
Sieben Teams, sieben unterschiedliche Ausgangslagen und eine entscheidende Frage: Ist die Zukunft wirklich noch Zukunft – oder hat sie längst begonnen?
Orlando Magic: Wie lange müssen Franz Wagner und Co. noch auf den Durchbruch warten?

MIT DEM KOPF DURCH DIE WAND? Franz Wagner attackiert den Korb. Zu häufig ist Orlandos Offensive allerdings von Einzelaktionen abhängig. Kann sich das 2026/27 ändern?
Für die Orlando Magic dürfte die Saison 2026/27 eine der wichtigsten der vergangenen Jahre werden. Nicht, weil sich die Franchise erst noch beweisen müsste, sondern weil sie mittlerweile an einem Punkt angekommen ist, an dem bloße Playoff-Teilnahmen nicht mehr ausreichen.
Dreimal in Folge erreichte Orlando die Postseason, dreimal war bereits in der ersten Runde Schluss. In der vergangenen Saison gewannen die Magic 45 Spiele, belegten den achten Platz der Eastern Conference und scheiterten anschließend an den Detroit Pistons. Eine ordentliche Bilanz für eine junge Mannschaft, die allerdings angesichts der vorhandenen individuellen Qualität zunehmend unbefriedigend erscheint.
Schließlich verfügt Orlando mit Paolo Banchero, Franz Wagner und Desmond Bane über drei Spieler, die grundsätzlich in der Lage sind, eine hochklassige NBA-Offensive anzuführen. Banchero erzielte in der vergangenen Saison durchschnittlich 22,2 Punkte, 8,4 Rebounds und 5,2 Assists. Bane steuerte 20,2 Punkte bei und gehört mit einer Dreierquote von 40,4 Prozent über die vergangenen fünf Spielzeiten zu den verlässlichsten Distanzschützen der Liga.
Und dann ist da natürlich Franz Wagner.
Der deutsche Nationalspieler gehört längst zu den wichtigsten Akteuren der Franchise. Seine Kombination aus Größe, Spielverständnis, Ballhandling und Abschlussqualitäten macht ihn zu einem der vielseitigsten Forwards der Eastern Conference. Allerdings wurde Wagner in der vergangenen Saison durch Verletzungen ausgebremst und kam lediglich auf 34 Einsätze. Eine vollständige Spielzeit könnte deshalb nicht nur für Orlando, sondern auch für seine persönliche Entwicklung entscheidend werden.
Denn Wagner befindet sich mittlerweile in einer Phase seiner Karriere, in der eine erstmalige All-Star-Nominierung durchaus realistisch erscheint. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden. Entscheidend wird sein, ob er seine Leistungen über eine komplette Saison abrufen und gemeinsam mit Banchero eine Offensive anführen kann, die in den vergangenen Jahren zu häufig hinter ihren Möglichkeiten zurückblieb.
Tristan da Silva: Mehr als nur eine deutsche Nebenrolle
Neben Wagner verdient auch Tristan da Silva besondere Aufmerksamkeit. Der deutsche Forward geht in seine dritte NBA-Saison und hat die Gelegenheit, sich als langfristiger Bestandteil der Magic-Rotation zu etablieren.
Während Wagner und Banchero einen Großteil der offensiven Verantwortung tragen, könnte da Silva vor allem mit seiner Vielseitigkeit und seinem Spiel ohne Ball wertvoll werden. Orlando benötigt Spieler, die neben den Stars funktionieren, offene Würfe treffen, defensiv zuverlässig agieren und keine permanente offensive Hauptrolle beanspruchen.
Genau darin liegt für da Silva die Chance. Seine Entwicklung muss sich nicht zwangsläufig in spektakulären Punkteschnitten widerspiegeln. Viel wichtiger ist die Frage, ob er zu einem Spieler werden kann, auf den Orlando auch in engen Playoff-Partien vertraut.
Für die Magic wäre ein solcher Entwicklungsschritt enorm wertvoll. Schließlich ist der Kader zwar mit Talent gespickt, doch nicht jede Kombination hat in der Vergangenheit funktioniert.
Ein neuer Trainer, die alten Probleme?
Die Verantwortlichen haben auf die wiederholten Erstrunden-Niederlagen reagiert. Jamahl Mosley musste seinen Posten räumen, Sean Sweeney übernimmt als neuer Head Coach.
Sweeney bringt interessante Erfahrungen mit. Als Assistenztrainer war er sowohl am Finaleinzug der Dallas Mavericks 2024 als auch an jenem der San Antonio Spurs 2026 beteiligt. Nun soll er erstmals als NBA-Cheftrainer dafür sorgen, dass Orlando sein Potenzial konsequenter ausschöpft.
Die größte Baustelle bleibt die Offensive. Zwar verbesserten sich die Magic in der vergangenen Saison von Platz 27 auf Platz 18 im Offensive Rating, doch von einer wirklich gefährlichen Angriffsmaschine war Orlando weiterhin entfernt. Besonders auffällig: Obwohl rund 60 Prozent der Dreier als weit offen klassifiziert wurden, traf das Team lediglich 36,5 Prozent dieser Würfe und gehörte damit zu den schwächsten Mannschaften der Liga.
Auch defensiv ging ein Teil der früheren Identität verloren. Nach Platz zwei im Defensive Rating 2024/25 rutschte Orlando in der vergangenen Saison auf Rang 13 ab.
Mit einem hoffentlich gesunden Jalen Suggs, einem verbesserten Anthony Black und dem zurückgekehrten Nikola Vučević stehen Sweeney interessante Optionen zur Verfügung. Gleichzeitig muss der neue Trainer beweisen, dass er die offensive Qualität von Banchero, Wagner und Bane besser miteinander verbinden kann.
Für Orlando ist die entscheidende Frage deshalb nicht mehr, ob die Mannschaft die Playoffs erreichen kann. Sondern ob Franz Wagner und Co. endlich bereit sind, dort auch eine Serie zu gewinnen.
Charlotte Hornets: Dennis Schröder, Hannes Steinbach und ein mutiger Neuanfang
Während Orlando vor allem auf Kontinuität und die Weiterentwicklung seines bestehenden Kerns setzt, haben die Charlotte Hornets einen anderen Weg eingeschlagen. Dabei schien die Franchise gerade erst wieder auf dem richtigen Kurs angekommen zu sein. Mit 44 Siegen und 38 Niederlagen absolvierte Charlotte seine erfolgreichste Regular Season seit 2015/16. Zwar endete die Saison im Play-In-Turnier, doch erstmals seit Langem war wieder eine klare sportliche Perspektive erkennbar.
Umso überraschender fiel die Entscheidung aus, sich von LaMelo Ball und Miles Bridges zu trennen. Zwei Spieler, die das Gesicht der Franchise über Jahre geprägt hatten, sind nicht mehr Teil des Teams. Stattdessen soll die Zukunft Brandon Miller und Kon Knueppel gehören.
Miller erzielte in der vergangenen Saison 20,2 Punkte pro Spiel und gehört zu den interessantesten jungen Scorern der Liga. Knueppel überzeugte bereits als Rookie mit 18,5 Punkten und einem bemerkenswert ausgereiften Offensivspiel. Besonders sein Distanzwurf macht ihn zu einem Spieler, der auch ohne permanente Ballkontakte großen Einfluss nehmen kann. Die Hornets setzen damit auf zwei junge Leistungsträger, deren Fähigkeiten sich grundsätzlich gut ergänzen. Allerdings verlieren sie mit Ball auch einen der kreativsten Passgeber der NBA. Die Offensive muss deshalb neu organisiert werden.

NEUER ANFÜHRER: Brandon Miller steht vor der Aufgabe, die Charlotte Hornets in eine neue Ära zu führen. Nach dem Abschied von LaMelo Ball ruhen die Hoffnungen der Franchise zunehmend auf seinen Schultern.
Dennis Schröder: Erfahrung für eine neue Generation
Hier kommt Dennis Schröder ins Spiel. Der deutsche Nationalspieler bringt eine Qualität mit, die für ein junges Team besonders wertvoll sein kann: Erfahrung. Schröder kennt unterschiedliche Rollen, hat für zahlreiche NBA-Franchises gespielt und weiß, wie wichtig Struktur und Entscheidungsfindung für eine funktionierende Offensive sind. In Charlotte trifft er auf eine Mannschaft, die zwar reichlich Scoring-Potenzial besitzt, nach dem Abgang von Ball aber eine neue Hierarchie finden muss. Schröder könnte dabei helfen, die jungen Spieler besser einzusetzen, das Tempo zu kontrollieren und die Offensive in schwierigen Phasen zu stabilisieren. Gleichzeitig muss sich zeigen, wie seine Rolle neben weiteren Guards wie Coby White, Grayson Allen und Knueppel aussehen wird.
Für Charlotte ist Schröder damit nicht zwangsläufig der Spieler, der die meisten Punkte erzielt. Aber möglicherweise einer derjenigen, die am stärksten beeinflussen, wie gut die Mannschaft als Ganzes funktioniert.
Hannes Steinbach: Der nächste Deutsche auf der NBA-Bühne
Noch am Anfang seiner Karriere steht Hannes Steinbach. Die Hornets sicherten sich den deutschen Big Man im NBA Draft 2026 an 14. Stelle und unterstrichen damit, welches Potenzial sie in ihm sehen. Steinbach überzeugte zuvor an der University of Washington mit durchschnittlich 18,5 Punkten und 11,8 Rebounds. Bereits während seiner Zeit in Würzburg hatte er sein Talent unter Beweis gestellt. Nun wartet die größte Herausforderung seiner bisherigen Laufbahn.
Der 20-Jährige bringt körperliche Präsenz, Rebounding und offensive Vielseitigkeit mit. Besonders interessant ist seine Fähigkeit, auch abseits des Korbes Akzente zu setzen. In Charlotte trifft er allerdings auf einen gut besetzten Frontcourt. Mit Naz Reid verpflichteten die Hornets einen erfahrenen Big Man, der zuletzt 13,6 Punkte und 6,2 Rebounds pro Spiel erzielte. Hinzu kommen unter anderem Moussa Diabaté und Ryan Kalkbrenner. Steinbach wird sich seine Minuten deshalb verdienen müssen.
Gerade diese Konkurrenz könnte seine Entwicklung jedoch fördern. Anders als bei einer Mannschaft, die ausschließlich auf junge Spieler setzt, muss Steinbach in Charlotte von Beginn an lernen, wie er innerhalb einer klar definierten Rolle erfolgreich sein kann. Für deutsche Basketballfans ist das Projekt besonders reizvoll. Mit Schröder und Steinbach treffen zwei Spieler aufeinander, die sich in völlig unterschiedlichen Karrierephasen befinden: der etablierte Nationalspieler und das junge Talent, das gerade erst seinen Weg in der NBA beginnt. Ob die Hornets nach dem Abgang von LaMelo Ball sportlich sofort besser werden, bleibt fraglich. Doch die Franchise hat eine klare Entscheidung getroffen: Die langfristige Zukunft soll Brandon Miller, Kon Knueppel und einer neuen Generation gehören.

PERFEKTES ZUSAMMENSPIEL? Cade Cunningham dirigiert die Offensive, Jalen Duren sorgt für Präsenz unter dem Korb. Wie weit kann dieses Duo die Pistons tragen?
Detroit Pistons: Aus 14 Siegen wurden 60 – was kommt jetzt?
Wenn eine Mannschaft beweisen kann, wie schnell sich die Perspektiven in der NBA verändern können, dann sind es die Detroit Pistons. Noch in der Saison 2023/24 gewann Detroit gerade einmal 14 Spiele. Ein Jahr später waren es bereits 44. Und 2025/26 folgte mit 60 Siegen und 22 Niederlagen der vorläufige Höhepunkt einer außergewöhnlichen Entwicklung. Aus einem jahrelangen Sorgenkind ist der Spitzenreiter der Eastern Conference geworden. Im Zentrum steht Cade Cunningham, der sich endgültig als Franchise-Spieler etabliert hat. Gemeinsam mit Jalen Duren bildet er ein junges Duo, das sowohl offensiv als auch physisch enorme Probleme für gegnerische Mannschaften verursachen kann. Mit Ausar Thompson verfügt Detroit außerdem über einen außergewöhnlichen Perimeter-Verteidiger. Die Pistons haben ihre Identität gefunden: körperlicher Basketball, defensive Intensität und ein konsequenter Angriff auf die Zone. Gerade in einer Liga, in der viele Teams stark vom Distanzwurf abhängig sind, stellt Detroit einen interessanten Gegenentwurf dar.
Allerdings zeigte sich in den Playoffs, dass auch eine beeindruckende Regular Season nicht automatisch zu einem tiefen Postseason-Run führt. In den Conference Semifinals scheiterte Detroit nach sieben Spielen an Cleveland. Die Schwächen sind bekannt. Mit lediglich 902 verwandelten Dreiern gehörten die Pistons in der vergangenen Saison zu den Teams mit dem geringsten Output von außen. Gerade in den Playoffs, wenn gegnerische Defensiven gezielt die Zone schließen, kann diese fehlende Balance zum Problem werden. Deshalb reagierte Detroit mit personellen Veränderungen. Isaiah Joe soll zusätzliche Gefahr von der Dreierlinie bringen, während unter anderem John Collins und Taurean Prince weitere Möglichkeiten eröffnen. Für die Pistons beginnt damit eine neue Phase. Sie müssen nicht mehr beweisen, dass ihr Neuaufbau funktioniert hat. Das haben 60 Siege eindrucksvoll gezeigt.
Jetzt geht es darum, aus einem hervorragenden Regular-Season-Team einen echten Titelkandidaten zu machen.
Noch mehr NBA-Analysen gefällig? In TRASH TALK – der BASKET Podcast nehmen wir die Teams ausführlich unter die Lupe, analysieren ihre Kader, diskutieren ihre Perspektiven und beantworten die wichtigsten Fragen vor der neuen NBA-Saison. Bis zum Saisonbeginn erwarten euch weitere Folgen unserer großen NBA-Preview! Einfach auf das Bild klicken, reinhören und keine Folge verpassen!
Dallas Mavericks: Cooper Flagg und die Suche nach der nächsten großen Ära
Kaum eine NBA-Franchise hat innerhalb weniger Jahre einen derart dramatischen Wandel erlebt wie die Dallas Mavericks. 2024 stand Dallas noch in den NBA Finals. Zwei Jahre später beendete die Mannschaft die Saison mit lediglich 26 Siegen und 56 Niederlagen auf Platz zwölf der Western Conference.
Die Ära Luka Dončić ist längst Geschichte. Anthony Davis gehört ebenfalls nicht mehr zum Team. Stattdessen ruhen die Hoffnungen einer ganzen Franchise auf einem Spieler, der gerade einmal 19 Jahre alt ist. Cooper Flagg hat bereits in seiner Rookie-Saison gezeigt, warum er als eines der größten Talente seiner Generation gilt. Besonders in den letzten 26 vollständigen Spielen der vergangenen Saison überzeugte er mit durchschnittlich 25,2 Punkten, 7,2 Rebounds und 5,3 Assists.
Zahlen, die für einen Rookie außergewöhnlich sind. Flagg bringt eine seltene Mischung aus Größe, Athletik, Spielverständnis und offensiver Vielseitigkeit mit. Er kann selbst den Ball führen, Mitspieler einsetzen, zum Korb ziehen und defensiv auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Doch auch ein solches Talent kann die Probleme einer Mannschaft nicht allein lösen. Dallas gehörte in der vergangenen Saison zu den schwächsten Offensivteams der NBA. Besonders auffällig war der enorme Unterschied zwischen Schnellangriff und Halbfeldspiel. Während die Mavericks in Transition zu den effizientesten Teams der Liga gehörten, belegten sie im Halbfeld den letzten Platz.
Genau deshalb könnte die Rückkehr von Kyrie Irving so wichtig werden. Der erfahrene Guard kommt nach einer schweren Knieverletzung zurück und soll Flagg offensiv entlasten. Irving hat bereits an der Seite von LeBron James und Luka Dončić bewiesen, dass er hervorragend mit großen, spielstarken Forwards harmonieren kann. Allerdings ist Irving inzwischen 34 Jahre alt und seine langfristige Zukunft in Dallas keineswegs sicher. Auch organisatorisch beginnt ein neues Kapitel. Mit Masai Ujiri wurde der Architekt des Toronto-Meisterteams von 2019 verpflichtet. Neuer Head Coach ist Dusty May, der zuvor mit Michigan die College-Meisterschaft gewonnen hatte.
Hinzu kommen interessante Neuzugänge wie Zaccharie Risacher und Santi Aldama. Besonders Risacher, der Nummer-1-Pick des Drafts 2024, könnte nach zwei schwierigen Jahren in Atlanta von einem Tapetenwechsel profitieren. Dallas hat damit bereits den wichtigsten Baustein für die Zukunft gefunden. Cooper Flagg besitzt das Potenzial, einer der prägenden Spieler der kommenden NBA-Jahre zu werden.
Die entscheidende Frage lautet nun, ob die Mavericks aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und ihm die Mannschaft zur Seite stellen können, die er für nachhaltigen Erfolg benötigt.

ZURÜCK AUF DEM PARKETT: Kyrie Irving ist zurück! Nach langer Verletzungspause soll der Star-Guard den Dallas Mavericks wieder neue Impulse geben. Wie viel kann er noch bewegen?
Washington Wizards: Trae Young, Anthony Davis und AJ Dybantsa – passt das überhaupt zusammen?
Die Washington Wizards sind möglicherweise das ungewöhnlichste Team der gesamten NBA-Saison 2026/27.
In den vergangenen drei Spielzeiten gewann die Franchise insgesamt gerade einmal 50 Spiele. Zuletzt standen 17 Siege und 65 Niederlagen zu Buche. Washington war damit erneut das Schlusslicht der Eastern Conference. Eigentlich die typische Ausgangslage für einen langfristigen Neuaufbau.
Doch ein Blick auf den aktuellen Kader vermittelt einen völlig anderen Eindruck. Trae Young, Anthony Davis, Khris Middleton und Deandre Ayton gehören ebenso zum Aufgebot wie zahlreiche vielversprechende Nachwuchsspieler. Und dann ist da AJ Dybantsa.
Mit dem ersten Pick des NBA Drafts 2026 sicherten sich die Wizards eines der spannendsten Talente seines Jahrgangs. Der junge Flügelspieler soll langfristig zum Gesicht der Franchise werden. Seine Entwicklung dürfte für die Zukunft Washingtons entscheidender sein als jede kurzfristige Platzierung in der Eastern Conference. Gleichzeitig hat die Franchise mit Trae Young einen viermaligen All-Star verpflichtet und langfristig gebunden. Young, der nach seinem Wechsel aus Atlanta in der vergangenen Saison nur fünf Spiele für Washington absolvierte, soll erstmals über eine komplette Spielzeit die Offensive organisieren.
Seine Fähigkeiten als Passgeber könnten besonders für Alex Sarr wertvoll werden.
Der französische Big Man entwickelte sich in seiner zweiten NBA-Saison deutlich weiter und erzielte durchschnittlich 16,3 Punkte, 7,4 Rebounds und 2,0 Blocks. Mit seiner Größe, Beweglichkeit und defensiven Präsenz gehört er zu den interessantesten jungen Centern der Liga. Neben Sarr besitzen die Wizards weitere Talente wie Kyshawn George, Tre Johnson, Bilal Coulibaly und Bub Carrington. Die Herausforderung besteht darin, all diese Spieler sinnvoll zu entwickeln, während gleichzeitig etablierte Stars Einsatzzeit und Verantwortung beanspruchen. Besonders Anthony Davis macht die Situation kompliziert. Der ehemalige NBA-Champion kam bereits während der vergangenen Saison nach Washington, absolvierte jedoch noch kein Spiel für die Franchise. Mit 33 Jahren könnte er die Wizards defensiv erheblich verbessern, gleichzeitig aber auch zu einem der interessantesten Trade-Kandidaten der Liga werden, falls Washington erneut im Tabellenkeller landet.
Denn Davis kann nach der Saison Free Agent werden. Die Wizards stehen damit vor einer grundsätzlichen Entscheidung: Wollen sie mit Young und Davis möglichst schnell wieder konkurrenzfähig werden? Oder sollte die gesamte sportliche Planung auf die Entwicklung von Dybantsa, Sarr und den übrigen Talenten ausgerichtet sein?
Vielleicht ist Washington bereits bereit für den nächsten Schritt. Vielleicht versucht die Franchise aber auch, zwei völlig unterschiedliche Zeitpläne miteinander zu verbinden.

STAR DER ZUKUNFT: Mit AJ Dybantsa hoffen die Wizards, das entscheidende Puzzleteil für ihren Neuaufbau gefunden zu haben. Kann der Rookie langfristig zum Gesicht der Franchise werden?
Utah Jazz: Wie lange darf ein Neuaufbau eigentlich dauern?
Während andere Mannschaften bereits den nächsten Schritt in Richtung Playoffs wagen, warten die Utah Jazz weiterhin auf den großen Durchbruch. Mit 22 Siegen und 60 Niederlagen beendete Utah die vergangene Saison auf dem letzten Platz der Western Conference. Zwar bedeutete das eine Verbesserung gegenüber den lediglich 17 Siegen aus dem Vorjahr, doch von einer ernsthaften Playoff-Perspektive war die Mannschaft weiterhin weit entfernt. Dabei ist das individuelle Talent inzwischen durchaus bemerkenswert.
Mit Lauri Markkanen verfügt Utah über einen ehemaligen All-Star, der offensiv auf unterschiedliche Weise gefährlich werden kann. Keyonte George gehört zu den interessantesten jungen Guards der Franchise und erhielt eine Vertragsverlängerung über fünf Jahre und 157,5 Millionen Dollar. Dazu kommt Jaren Jackson Jr., der während der vergangenen Saison aus Memphis verpflichtet wurde. Der ehemalige Defensive Player of the Year absolvierte nach seinem Wechsel verletzungsbedingt lediglich drei Spiele für Utah, könnte aber in der kommenden Saison eine entscheidende Rolle übernehmen. Seine defensive Qualität wird dringend benötigt.
Schließlich kassierten die Jazz in der vergangenen Spielzeit durchschnittlich 126 Punkte pro Partie und stellten damit die anfälligste Defense der NBA. Besonders die Verteidigung der Dreierlinie bereitete erhebliche Probleme. Gegner kamen regelmäßig zu offenen Abschlüssen und verwandelten durchschnittlich 15,3 Dreier pro Spiel.
Ein gesunder Jackson könnte helfen, zumindest einen Teil dieser Probleme zu beheben. Noch spannender ist allerdings die Entwicklung der jungen Spieler.
Mit Darryn Peterson, dem zweiten Pick des NBA Drafts 2026, hat Utah ein weiteres außergewöhnliches Guard-Talent verpflichtet. Gemeinsam mit George könnte er langfristig einen der interessantesten Backcourts der Liga bilden. Auch Ace Bailey deutete bereits sein Potenzial an. Ab dem 1. Januar erzielte der Forward durchschnittlich 16,2 Punkte und 4,9 Rebounds. Isaiah Collier wiederum machte als Passgeber auf sich aufmerksam und erreichte die Marke von 500 Karriere-Assists schneller als selbst Jazz-Legende John Stockton.
An interessanten Einzelspielern mangelt es Utah also nicht. Doch genau darin liegt die Herausforderung. Der Kader verfügt mittlerweile über so viele vielversprechende Namen, dass sich die Franchise nicht dauerhaft hinter dem Argument eines langfristigen Neuaufbaus verstecken kann.
Head Coach Will Hardy muss nun herausfinden, wie aus offensivem Talent, defensiver Qualität und individueller Entwicklung eine funktionierende Mannschaft entsteht. Für Utah muss die Saison 2026/27 deshalb nicht zwingend mit einer Playoff-Teilnahme enden. Eine deutliche Verbesserung der Bilanz und vor allem der defensiven Stabilität wäre aber ein wichtiges Signal.
Denn irgendwann muss sich auch der vielversprechendste Rebuild in tatsächlichen Siegen niederschlagen.
Atlanta Hawks: Nach Trae Young plötzlich besser?
Die Atlanta Hawks sind vielleicht das interessanteste Gegenbeispiel zu jenen Franchises, die über Jahre versuchen, ihren Neuaufbau mit möglichst vielen Draftpicks voranzutreiben. Atlanta hat sich von seinem langjährigen Franchise-Star Trae Young getrennt und ist anschließend besser geworden.
Mit 46 Siegen und 36 Niederlagen erreichten die Hawks in der vergangenen Saison den sechsten Platz der Eastern Conference. Besonders beeindruckend verlief die Zeit nach dem All-Star Break, als sich das Team zu einer der formstärksten Mannschaften der Liga entwickelte. Das Net Rating verbesserte sich von minus 1,3 vor der Pause auf plus 9,7 danach. Ein Sprung um elf Punkte pro 100 Ballbesitze – laut NBA.com die größte Verbesserung dieser Art innerhalb der vergangenen 27 Jahre. Ein entscheidender Faktor war CJ McCollum, der im Tausch für Young nach Atlanta kam. Mit ihm im Aufgebot gewannen die Hawks 27 ihrer 41 Spiele.
Doch der eigentliche Durchbruch fand an anderer Stelle statt. Jalen Johnson entwickelte sich endgültig zum Franchise-Spieler. Mit durchschnittlich 22,5 Punkten, 10,3 Rebounds und 7,9 Assists wurde der Forward erstmals zum All-Star und in ein All-NBA-Team gewählt. Auch Nickeil Alexander-Walker erlebte eine außergewöhnliche Saison. Der Guard steigerte seine Punkteausbeute auf 20,8 Zähler pro Spiel, traf knapp 40 Prozent seiner Dreier und wurde mit dem Most Improved Player Award ausgezeichnet. Atlanta verfügt damit über zwei Spieler, die in der vergangenen Saison einen enormen Entwicklungsschritt gemacht haben. Gleichzeitig hat die Franchise ihre defensive Identität weiter geschärft. Mit Luguentz Dort und Aaron Wiggins kamen zwei Spieler hinzu, die bereits bei Oklahoma City auf höchstem Niveau erfolgreich waren. Gemeinsam mit Dyson Daniels und Alexander-Walker könnte Atlanta eine der unangenehmsten Perimeter-Defensiven der Liga stellen.
Head Coach Quin Snyder verfügt über zahlreiche Möglichkeiten, unterschiedliche Lineups einzusetzen und gegnerische Ballhandler permanent unter Druck zu setzen. Allerdings bleibt eine Frage offen: Wie weit kann eine Mannschaft kommen, die zwar über außergewöhnliche Tiefe verfügt, aber keinen unumstrittenen Superstar der absoluten NBA-Spitze besitzt? In den vergangenen Playoffs zeigten die Hawks bereits, dass sie auch den besten Teams gefährlich werden können. Gegen die späteren NBA-Champions aus New York führte Atlanta zwischenzeitlich mit 2:1, ehe die Knicks die Serie noch drehten.
Die kommende Saison könnte zeigen, ob die Hawks tatsächlich bereit sind, dauerhaft zu den besten vier Mannschaften der Eastern Conference zu gehören.

WACHABLÖSUNG: Jalen Johnsons Entwicklung zum Führungsspieler erleichterte den Atlanta Hawks die Trennung von ihrem langjährigen Franchise-Star Trae Young. Kann der Forward Atlanta in eine neue Ära führen?
Sieben Franchises, sieben Wege – und eine gemeinsame Herausforderung
Die Unterschiede zwischen diesen sieben Mannschaften könnten kaum größer sein.
Detroit hat den schwierigen Weg vom Tabellenkeller an die Spitze der Eastern Conference bereits hinter sich gebracht. Orlando verfügt über einen etablierten jungen Kern, muss aber endlich beweisen, dass dieser auch in den Playoffs erfolgreich sein kann. Atlanta hat sich nach dem Abschied seines größten Stars neu erfunden und setzt auf eine ungewöhnlich tiefe, defensivstarke Mannschaft. Charlotte beginnt nach dem Ende der LaMelo-Ball-Ära ein neues Kapitel, in dem Dennis Schröder, Christian Anderson Jr. und Hannes Steinbach aus deutscher Perspektive besonders interessant sind. Dallas besitzt mit Cooper Flagg möglicherweise bereits seinen nächsten Franchise-Superstar. Washington versucht, erfahrene Stars und einen außergewöhnlich jungen Kader miteinander zu verbinden. Und Utah steht vor der Aufgabe, seine zahlreichen Talente endlich in sportlichen Fortschritt umzuwandeln.
Bei allen Unterschieden verbindet diese Franchises eine zentrale Herausforderung: Es reicht nicht mehr, nur vielversprechend zu sein.
Gerade für die deutschen Basketballfans dürfte die Entwicklung in Orlando und Charlotte besonders spannend werden. Franz Wagner könnte vor seiner ersten All-Star-Saison stehen, Tristan da Silva möchte sich als wichtiger Bestandteil einer ambitionierten Playoff-Mannschaft etablieren. Dennis Schröder soll in Charlotte Erfahrung und Struktur einbringen, während Hannes Steinbach seine ersten Schritte auf der größten Basketballbühne der Welt macht. Doch auch darüber hinaus verspricht die NBA-Saison 2026/27 zahlreiche Geschichten. Wird Cooper Flagg schon mit 19 Jahren zum All-Star? Können die Pistons ihre 60-Siege-Saison bestätigen? Ist Jalen Johnson der nächste große Superstar der Eastern Conference? Und wie lange können sich die Utah Jazz noch auf ihre Zukunft berufen? Die Antworten werden darüber entscheiden, welche dieser Mannschaften tatsächlich bereit ist, den nächsten Schritt zu machen.
Denn in der NBA wartet die Zukunft nicht ewig. Irgendwann muss sie zur Gegenwart werden.
Autor: Sami Younis | Stand der Daten: 17. Oktober 2026 | Fotocredit: Getty Images


