Neue College-Doku: „Dynasty: Die Insidergeschichte der UConn Huskies“

Wie entsteht eine Dynastie – und wie hält man sie über Jahrzehnte am Leben? In der neuen Apple TV-Serie "„The Dynasty: UConn Huskies” geht es genau um diese Frage.Home of Basket hat mit dem Vater des Erfolgs und Hauptprotagonist Genno Auriemma über Führung, Widerstandskraft und sein Vermächtnis gesprochen.

Zawadi Mograbi

30. August 2026

Zwölf NCAA-Titel, vier Jahrzehnte an der Spitze und Namen wie Rebecca Lobo, Sue Bird, Diana Taurasi, Maya Moore, Breanna Stewart und Paige Bueckers: Die UConn Huskies haben den Frauen-College-Basketball geprägt wie kaum ein anderes Programm. Die dreiteilige Apple-TV-Dokuserie Dynasty: Die Insidergeschichte der UConn Huskies (Im Original: The Dynasty: UConn Huskies), die am 21. August 2026 Premiere feierte, zeichnet diesen Aufstieg über mehrere Generationen nach – von den bescheidenen Anfängen Mitte der 1980er bis zur nationalen Dominanz. Im Zentrum steht dabei ein Mann, der UConn über Jahrzehnte geformt hat: Head Coach Geno Auriemma. Die Serie zeigt seinen kompromisslosen Anspruch, seine Methoden und die Rivalitäten, die die Huskies antrieben, aber auch Zweifel und den Druck, eine Dynastie immer wieder neu zu bestätigen. Home of Basket hat die Doku vorab angeschaut und im Interview mit Auriemma gesprochen – über Ehrlichkeit im Coaching, Widerstandskraft, seinen Umgang mit Spielerinnen und die Frage, was von seiner Arbeit einmal bleiben wird.

 

Geno Auriemma ist seit 1985 Head Coach der Conneticut Lady Huskies (kurz „UConn Huskies”). Unter ihm gewannen die Huskies elf NCAA-Meisterschaften und erreichten  17 Mal das Final Four.
Für seine Verdienste wurde Auriemma 2006 in die Women’s Basketball Hall of Fame aufgenommen.

 

Home of Basket: Geno, vielen Dank für Ihre Zeit. Wir haben die Doku sehr spannend verfolgt. Etwas, was dabei direkt auffällt ist ihr Umgang mit den  Spielerinnen. In der Doku sagen Sie sinngemäß: Warum sollte ich Spielern etwas mitteilen, wenn es nicht die Wahrheit ist? Aber wie wissen Sie als Coach in den entscheidenden Momenten die Wahrheit ist?

Geno Auriemma: Ich weiß es nicht. Manchmal ist es schwer herauszufinden, was die Wahrheit ist. Aber ich glaube, wenn man mit einer Spielerin spricht, muss sie wissen, wie man wirklich über sie denkt. Wenn eine Spielerin wissen will: Warum spiele ich nicht? Warum spiele ich nicht so viel wie diese Person? Dann muss man ehrlich sein und ihr das sagen: ,Weil du in diesem, diesem und diesem Bereich nicht gut genug bist. Und wenn du besser wirst, wirst du mehr spielen.' Während eines Spiels im richtigen Moment das Richtige auf die richtige Art zu sagen, ist wirklich, wirklich schwer. Die Emotionen sind so stark. Alle sind so aufgeputscht, dass es nicht immer einfach ist, die richtigen Worte zu finden.

 

Die Serie zeigt auch, wie viel Wert Sie auf individuelles Coaching der Spielerinnen geben. Welche Eigenschaft wollen Sie Ihren Spielern für ihre Zukunft mitgeben – im Basketball und im Leben?

Ich würde sagen: widerstandsfähig zu sein. Mit all den Dingen umgehen zu können, die auf einen zukommen. Denn sie werden nicht alle gut sein. Sie werden nicht alle fair sein. Man wird mit sehr vielen Dingen klarkommen müssen, bei denen man sich irgendwann hilflos fühlt. Ich möchte ihnen dieses Gefühl vermitteln: Ich werde weiter dagegen ankämpfen, bis ich durchbreche, bis ich es schaffe. Das hier ist es nur ein Basketballspiel. Aber später in ihrem Leben werden sie mit viel größeren Problemen konfrontiert sein als mit der Frage, welche Zone Defense der Gegner spielt. Da bin ich mir ganz sicher.

 

Einige Spieler sagen in der Serie, es habe sich manchmal angefühlt, als würden sie gegen Sie spielen – und das habe sie als Team zusammengeschweißt. Haben Sie sich bewusst zum Gegenspieler Ihrer Spieler gemacht?

Absolut und zwar jeden Tag. Jeden Tag im Training will ich sie testen und sehen, ob sie mit den Herausforderungen umgehen können, mit denen ich sie konfrontiere. Ich will das Training viel schwieriger gestalten als die Spiele. Meine Spielerinnen sollen ihre Denkweise ständig anpassen, ständig hinterfragen müssen: Was ist schiefgelaufen? Wie behebe ich es? Und wie schnell behebe ich es?

Also ja, ich sage ihnen ständig: ‚Wenn ihr mich im Training schlagen könnt, könnt ihr jeden schlagen.‘

 

Eindrücke aus der Doku:

Sie sind seit vielen Jahren bei UConn. Wie hat sich Ihr Coaching-Stil in dieser Zeit verändert?

Etwas hat sich auf jeden Fall verändert. Wir machen schon einige Dinge anders als früher, haben Dinge hinzugefügt, die wir damals nicht hatten. Ich weiß nicht, ob er sich in seiner Grundform so sehr verändert hat. Ich glaube, ich versuche, Dinge heute etwas anders zu vermitteln als früher. Ich habe mir verstärkt angesehen, was andere Trainer auf der ganzen Welt machen, um zu sehen, was ich davon zu dem hinzufügen kann, was ich tun will, um meine Spieler besser machen kann. Ich glaube nicht, dass jemand, der erfolgreich war, jedes Jahr gleich bleibt. Man muss sich ständig anpassen und ständig verbessern.


Wenn Sie den Frauenbasketball zu Beginn Ihrer Zeit bei UConn mit heute vergleichen: Welche Entwicklung hätten Sie sich damals niemals vorstellen können?

Ich weiß nicht, ob man damals dagesessen und gesagt hätte: Alle Spiele, die wir spielen, sind ausverkauft. Früher kamen 200 Leute zu einem Spiel. Heute sind es 17.000. All die Fans, die nach dem Spiel auf uns warten, ein Foto mit den Spielerinnen machen oder ein Autogramm von ihnen bekommen wollen. Das sind Dinge, von denen man dachte, sie passieren nur NBA-Stars, Sängern und Schauspielern. Heute sieht man das bei College-Basketballerinnen, bei Frauenbasketballerinnen. Frauen-Basketball hat ein Niveau erreicht, das unvorstellbar war, als ich hier angefangen habe.


Im Basketball wird viel über Legacy gesprochen. Wie blicken Sie auf Ihre eigene?

Mir fällt es schwer, meine eigene Legacy zu beschreiben. Irgendwann wird die Außenwelt wohl sagen: Das ist sie. Das ist es, was von Geno Auriemma geblieben ist. Ich glaube, die unglaubliche Zahl an Menschen, die durch dieses Programm gegangen sind, und das, was sie danach gemacht haben, ist wahrscheinlich die Legacy hier. Während ihrer Zeit hier waren sie bei UConn großartig. Aber nachdem sie gegangen sind, sind sie noch großartiger geworden. Und darauf bin ich sehr stolz.

 

Die Protagonist:innen

Rebecca Lobo

d

Diana Taurasi

Bei den UConn Huskies entwickelte sich Diana Taurasi ab 2000 zu einer der herausragenden Spielerinnen im College-Basketball. Sie gewann von 2002 bis 2004 drei NCAA-Meisterschaften in Folge und wurde zweimal zur besten College-Spielerin der USA gewählt. 2004 wechselte sie als Nummer-eins-Draftpick zu Phoenix Mercury, gewann drei WNBA-Titel und wurde 2009 MVP. Mit Team USA holte Taurasi sechs Olympiasiege.

Paige Bueckers

Paige Bueckers prägt die jüngste Generation der UConn Huskies. In ihren vier College-Spielzeiten führte sie Connecticut viermal ins Final Four und 2025 zum NCAA-Titel. Als beste College-Spielerin des Jahres ausgezeichnet, beendete sie ihre UConn-Karriere mit durchschnittlich 19,8 Punkten pro Partie. Anschließend wurde Bueckers im WNBA-Draft 2025 an erster Stelle von den Dallas Wings ausgewählt.

Geno Auriemma

Geno Auriemma ist seit 1985 Head Coach der UConn Huskies und formte das Programm zu einer der erfolgreichsten Mannschaften im College-Basketball. Unter seiner Führung gewann Connecticut zwölf NCAA-Meisterschaften, darunter 2025, sowie sechs ungeschlagene Spielzeiten. Auriemma hält den Rekord für die meisten Siege im College-Basketball und wurde 2006 in die Basketball Hall of Fame aufgenommen.

Streaming-Hinweis: Die Doku „Dynasty: Die Insidergeschichte der UConn Huskies" ist seit dem 21. August 2026 auf Apple TV verfügbar.

 

Interview: Zawadi Mograbi | Stand: 25. August 2026 | Fotocredit: Apple TV

Zawadi Mograbi

Weitere Artikel